Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Moll – Redaktorin

Adieu Frau Künzli, Grüezi Frau Moll

Mein Telefon klingelt in meiner Jackentasche. Einmal, zweimal, dreimal … Angestrengt krame ich es hervor und halte es mir ans Ohr. «Ja, Sarah Kü … ähm ich meine Sarah Moll.» Es ist nicht das erste und bestimmt auch nicht das letzte Mal, dass ich meinen alten Nachnamen nenne beziehungsweise schreibe. Vor rund vier Wochen habe ich geheiratet und den Nachnamen meines Mannes angenommen.

M, O, Doppel-L – simpel, kurz und im Gegensatz zu Künzli auch in einer Fremdsprache einfach auszusprechen. Das Buchstabieren wird nun ebenfalls viel einfacher. Nein, nicht Kuenzli und auch nicht Küenzli. Und schon gar nicht: «Losed Si Frau Küenzi, bitzli gwaggle müend Si.» Das alles hab ich schon zur Genüge gehört und langsam einfach satt. Es ist Zeit für ein neues Kapitel. Das Moll-Kapitel.

Eine weitere Unangenehmheit kann ich mit neuem Nachnamen ebenfalls umgehen. Ich werde nun nicht mehr als «die Tochter von», «die Enkelin von» oder sogar «die Urenkelin von» identifiziert. In Oberentfelden, wo ich herkomme, kennt man die Künzlis eben seit Generationen. Und ich liebe zwar meine Familie sehr, aber stets über sie definiert zu werden, hat man nach 30 Jahren irgendwie auch satt.

Ja, ich mag meinen neuen Nachnamen. Daran gewöhnt habe ich mich aber noch lange nicht. 30 Jahre Künzli sind noch zu stark in meinem Kopf verankert. Und während ich mir meinen eigenen Namen noch versuche einzuprägen, erkläre ich gleichzeitig anderen, dass beim Landanzeiger keine neue und keine andere Sarah arbeitet, sondern sie einfach nur geheiratet hat. Personen, mit denen ich schon seit Ewigkeiten per Du bin, siezen mich nun plötzlich wieder, weil sie Frau Moll am Telefon nicht erkennen.

Hab ich mir den ganzen Namenswechsel etwas zu einfach vorgestellt? Wahrscheinlich. Bereue ich ihn? Ganz bestimmt nicht. Zwar ist der ganze Papierkram, den der Namenswechsel mit sich bringt, mühsam, aber der Grund, weshalb ich das alles machen muss, ist wunderschön: die Liebe. Und wenn ich es mal leid bin, meinen Namenswechsel am Telefon erklären zu müssen, wundern Sie sich nicht, wenn ich abhebe und einfach sage: «Hier ist Sarah vom Landanzeiger.» Denn schliesslich bin ich immer noch ich. Die gleiche Person, egal welchen Nachname ich trage.