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Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Als Thiem in Entfelden früh ausschied

Das internationale Junioren-Tennisturnier in Oberentfelden hat in seiner elfjährigen Geschichte schon einiges erlebt. Vor den diesjährigen Finalspielen luden die Organisatoren zum Apéro. Gastgeber Freddy Blatter begrüsste die Ehrengäste, dankte dem Hauptsponsor und schilderte, wie Dominic Thiem im Jahr 2008 am Entfelder Juniorenturnier gespielt hat. Der Österreicher, der vor wenigen Tagen  im Finale der Australian Open Novak Djokovic gegenüberstand, habe hier vor 12 Jahren keine grossen Stricke zerrissen.  Die Turnier-Nummer 1 sei damals bereits in der zweiten Runde sang- und klanglos ausgeschieden.

Freddy Blatter hätte auch die Geschichte von Muhamed Fetov erzählen können. Fetov, ehemaliger Schweizer Meister, stand während Blatters Rede links neben ihm und wurde als neuer Mitbesitzer der Tennisschule präsentiert. Was Blatter nicht erzählt hat, ist Fetovs aussergewöhnliche Tennisgeschichte, die sich vor 16 Jahren genau hier in Oberentfelden zutrug. Jedoch nicht bei den Junioren, sondern an einem Turnier, an dem ein paar wenige ATP-Punkte zu gewinnen waren. Fetov hätte diese Punkte benötigt. Er spielte damals im Jahr 2004 um nichts Geringeres als seine Zukunft als Tennis-Profi. Bei einem Sieg hätten ihm Sponsoren den Start seiner Profi-Tennis-Karriere finanziert. Der Zufall wollte es, dass ich das kapitale Match des damals 19-jährigen Niederrohrdorfers als Sportreporter einer Lokalzeitung vor Ort miterlebte. Ich habe es bis heute nicht vergessen.

Fetovs Pech war, dass er 2004 in Oberentfelden gegen einen gewissen Simone Bolelli aus Italien spielen musste, der ein paar Jahre später richtig durchstarten sollte und  bis in die Top-50 der Weltrangliste vorstiess. Fetov verlor vor 16 Jahren gegen den Italiener in zwei Sätzen und damit wurde es nichts mit der erträumten Karriere als Tennis-Profi. 

Am Samstag sahen wir uns an gleicher Stelle wieder, freuten uns, plauderten über den Match, als wäre es gestern gewesen. Muhamed Fetov gestand, dass er damals Freddy Blatter um Rat bat. Er könne nur Tennis spielen, sagte er ihm. Blatter engagierte Fetov flugs als Tennistrainer und verhalf ihm zu einer KV-Ausbildung.

Bis vor kurzem leitete Muhamed Fetov in Baden seine eigene Schule. Ab April wird er neuer Mitbesitzer der Tennisschule aarau-West und dereinst vielleicht Nachfolger von Freddy Blatter. So wird der Ort seiner bittersten sportlichen Niederlage zum Ort seiner beruflichen Zukunft. Solche Geschichten schreibt nur der Sport!