Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli – Redaktorin

Auffällig unauffällig

Sie fallen mir bereits am Aarauer Bahnhof auf. Du, du und du, ihr habt das gleiche Ziel wie ich. Das seh ich euch an. Es sind die grünen, blauen und rosa Haare, es sind der Minirock und das Fan-Shirt, die euch verraten. Wir alle sind auf dem Weg zur Fantasy Basel. Die Fantasy Basel ist die Schweizer Convention für Film-, Fantasy-, Game-, Comic- und Cosplay- Fans oder anders gesagt: Es ist ein Ort, an dem Nerds auf andere Nerds treffen, sich austauschen, fachsimpeln und die gemeinsame Leidenschaft ausleben. Für mich als grosser «Harry Potter»-Fan einfach ein magischer Ort.

Über 450 Stände auf 70’000 Quadratmetern sind für die Messe aufgebaut worden, und die lockten von Donnerstag bis Samstag 62’000 Besucherinnen und Besucher an. Und ich war eine davon.

Ich schaute mir gerade den Eisernen Thron aus der Serie «Game of Thrones» an, als neben mir drei Wikinger, in Felle gehüllt und mit dunklen Augen, zu stehen kamen und meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zogen. Als ich mich ein wenig umdrehte, erblickte ich ein überdimensional grosses und ebenso flauschiges Evoli-Pokémon, das gerade von zwei Anime-Figuren mit bemalten Gesichtern und gelben Augen geknuddelt wurde. Ein bisschen weiter sah ich einen Ziegenmann mit langen Hörnern und einer hässlichen Fratze, ihm gegenüber zwei Sturmtruppler, wie man sie aus «Star Wars» kennt. Noch einmal eine Gruppe weiter erkannte ich einen Engel aus dem Kartenspiel «Magic» zusammen mit einem Piratenpaar.

Inmitten all dieser Cosplayer, wie die Verkleideten genannt werden, ging ich mit meiner Jeansjacke und dem schwarzen Kleid richtig unter. «Oder bin gerade ich diejenige, die durch ihre scheinbare Unauffälligkeit auffällt?», fragte ich mich selbst. Und tatsächlich: Keiner in diesem grossen Raum sah so normal oder in diesem Fall eben abnormal aus wie ich.

Aber irgendwie ist es auch einmal schön zu sehen, dass die Auffälligen die Unauffälligen sein dürfen und statt mit Blicken der Verwunderung bestraft, mit Blicken der Bewunderung belohnt werden. Was normalerweise als Norm gilt, ist hier an der Fantasy Basel eben etwas anders. Eine wunderbar verkehrte Welt, eine Fantasiewelt zwar, aber eine fantastische, in die ich jedes Jahr wieder gerne ein- und abtauche.