Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

Da will mir jemand den Maienzug vermiesen

Es gibt nichts Schöneres als den Maienzug, da stimmen mir alle Aarauer*innen und erst recht alle Heimweh-Aarauer zu. Mit einer Ausnahme: Lelia Hunziker, 47, SP-Grossrätin und in Aarau zugezogen. Sie hat in einer Kolumne in der «Aargauer Zeitung» den Maienzug als «alten Zopf» betitelt, «der neu geflochten werden soll». Wortgewandt zog sie über das Aarauer Fest der Feste her und schrieb schlecht, was vielen jungen und älteren Hauptstadtbewohnern seit Jahren ans Herz gewachsen ist.

Ups, da hat sich die einst höchste Aarauerin zu weit aus dem Fenster gelehnt. Es hagelte Leserbriefe – auch im Landanzeiger –, auch in den Kommentarspalten auf den sozialen Medien war der «Maienzug-Verriss» über mehrere Tage das bestimmende Thema. Zustimmung fand die SP-Politikerin nicht mal in den eigenen Reihen.

«Den Maienzug mochte ich nie», schreibt die 47-Jährige. Das sagt ja schon alles. Als Zugezogener weiss auch ich, wie man sich vor dem ersten Maienzug fühlt. Man ist nervös, weiss nicht so recht, was einen erwartet. Ist man richtig angezogen, ist die Granate noch frisch, findet man den Besammlungsort und wie reagiert wohl die Klasse auf meine erste Teilnahme? Alles kein Problem. Kaum in der wunderschön herausgeputzten und geschmückten Stadt eingetroffen, sind alle Ängste verflogen. Überall strahlende Menschen, glückliche Gesichter, Maienzug halt!

Dass der Festumzug, der Dresscode und das Bankett für die Kolumnenschreiberin subito in die Mottenkiste gehören, verstehe ich ebenso wenig wie die Tatsache, dass die SP-Grossrätin am liebsten auch noch den Bachfischet und den Neujahrsempfang total umkrempeln will.

Was seit über 400 Jahren von einem sehr grossen Teil der Stadtbevölkerung als das schönste Fest des Jahres gefeiert wird, darf auch weiterhin auf diese Tradition setzen.

Liebe Frau Hunziker, gerne zahle ich Ihnen für den nächsten Maienzug zwei SBB-Tageskarten. Dann können Sie am Zapfenstreich und am grossen Festtag selbst durch die Schweiz reisen und müssen sich nicht über den Maienzug und die vielen glücklichen Menschen ärgern. Und wer weiss, vielleicht finden Sie auf dieser Reise einen Ort, an dem Sie sich gerne für immer niederlassen wollen.