Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

Das Spiel mit den Geistern

Endlich wieder Fussball dachte ich mir, als Bundesrätin Viola Amherd Ende April grünes Licht für Teile des Sports gab.

«Geplant ist, dass ab 8. Juni mit dem Wettkampfbetrieb im Spitzensport angefangen werden kann», sagt die Walliserin. Mein Fussballherz begann zu hüpfen, doch nicht für lange. Denn während ich die Bundesrats-Pressekonferenz nur noch halbherzig weiter verfolgte, poppte bereits die erste Kurzmeldung auf meinem Handy auf: «Geisterspiele in der Super League am 8. Juni möglich!»

Geisterspiel? Früher wurden Vereine, deren Fans oder Verantwortlichen sich etwas zu Schulden haben kommen lassen, mit Geisterspielen bestraft. Und nun sollen Geisterspiele eine Belohnung sein? Das Basler Joggeli, ganz leer? Das Wankdorf und das Letzigrund auch? Alle Stadien der zwei höchsten Ligen leer? Rund um das Brügglifeld in Aarau könnten wenigstens noch einige Zaungäste das Geschehen auf dem Feld mitverfolgen.

Müsste die Polizei die Stadien abriegeln, dass sich niemand unerlaubt Eintritt verschafft? Würden Fangruppen von den Sicherheitskräften auseinandergetrieben, falls sie vor dem Stadion Stimmung machen? Bekämen die Unparteiischen Polizeischutz, wenn die Fans vor dem Stadion «Schiri, wir wissen wo dein Auto steht» rufen?

In den Fanforen wird eifrig über Pro und Contra von Geisterspielen diskutiert. Während die einen für Saisonabbruch tendieren, kämpfen andere wortgewaltig für eine Fortsetzung der Meisterschaft. Erste Spieler melden sich über Onlinemedien zu Wort. Sie betteln förmlich: «Lasst uns wieder spielen, die Bundesliga tuts auch.» Tatsächlich, diese startet am Samstag wieder. Die Spiele gibt es live und kostenlos im TV.

Bekomme ich jetzt einen Teil meiner Saisonkarte zurückerstattet, wollen erst Zuschauer hierzulande wissen. Richtige Fans würden das nie fragen. Denn sie wissen, dass ihr Verein jetzt jede Unterstützung, und ist sie noch so klein, gebrauchen kann.

In den zwei höchsten Ligen ist noch nicht entschieden, ob und wann die Meisterschaft weitergeht. Anders in den unteren Ligen. Die wurden abgebrochen, ohne Meister, ohne Auf- und Absteiger. Das akzeptiert der Promotion-League-Leader Yverdon Sport nicht und will sich den Aufstieg am Internationalen Sportgerichtshof (TAS) erstreiten. Wie schrieb schon Johann Wolfgang von Goethe vor über 220 Jahren im «Zauberlehrling »: «Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht mehr los …»