Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

Der ganz normale Wahnsinn

Manchmal erlebt man Dinge, die man nicht für möglich hält. So offeriert mir ein Freund Ferien auf Sardinien. Der Flug auf die italienische Mittelmeerinsel kostet zurzeit nur läppische 6 Euro. Ja, Sie haben richtig gelesen, 6 Euro für Hin- und Rückflug. Natürlich kommen noch Taxen dazu, doch für 6 Euro fahre ich mit dem Zug nicht mal von Aarau nach Lenzburg.

Um Geld geht es auch der Schweizer Fussballnationalmannschaft. Für einmal aber nicht um Siegesprämien, sondern um Geld, damit die Fussballnationalmannschaft als möglicher Impfbotschafter für das BAG auftritt. Aufgrund der vielen Ansteckungen und Hospitalisierungen von Balkan-Rückkehrern wären vor allem Spieler wie Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri ideale Botschafter. Stattdessen heisst es von Seiten der Nationalmannschaft: «Wenn das BAG mit der Nationalmannschaft zusammenarbeiten möchte, kann es Sponsoringpartner werden.» Genau mein Humor.

Leer geschluckt habe ich auch, als bekannt wurde, dass die Uni Luzern Fleisch vom Mensa-Menü streicht und ihren Studentinnen und Studenten nur noch vegetarische und vegane Verpflegung auftischt. Kann mir jemand erklären, warum auf dem Uni-Menuplan Vegi-Burger und Gemüse-Würste stehen? Etwas wie Fleisch, aber eben doch nicht. Da erinnere ich mich an meine Jugend zurück, als ich einst Turnschuhe mit vier Streifen erhielt. «Die sind wie Adidas», sagte mein Vater, «aber sie haben einfach vier Streifen …».

Beim Wort Schüler- oder Elterntaxi sträubt es mir regelmässig die Nackenhaare. Verstärkt hat dies die Meldung aus Winterthur. Dort hat eine Mutter zu Hause zwei Stunden auf ihren sechsjährigen Sohn gewartet, weil sich der Chauffeur des Schülertaxis angeblich masslos in der Stadt verfahren hat. Kleiner Tipp: Bringen Sie den Sechsjährigen doch zu Fuss in den nur wenige Minuten entfernten Kindergarten, es würde Ihnen und Ihrem Sohnemann gut tun.

Und dann gibt die Post bekannt, dass sie die Tarife für Briefe anhebt und auch weitere Poststellen schliesst. Dies, obwohl sie im ersten Halbjahr 2021 247 Millionen Franken Gewinn erwirtschaftete. Lassen Sie Ihren Frust nicht an Ihrem Pöstler aus. Er bringt Ihnen ja jede Woche den «Landanzeiger» und zwar gratis. Ich sags ja, der ganz normale Wahnsinn.