Gedanken

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Kaspar Flückiger, Redaktor

Der Lauf der Dinge

Um die Ecke stinkt es ein bisschen. Das Pissoir-Häuschen gleich rechts neben dem Eingang ins Stadion Brügglifeld ist der Ort, wo sich die männlichen Matchbesucher in eine Reihe stellen und es laufen lassen. Und wenn sie so dastehen und es laufen lassen, dann reden sie miteinander, nach links und rechts, mit Bekannten und Unbekannten, über Gott und die Welt und über den FC Aarau.

Es ist Sonntag, der 13. Februar 2022. FC Aarau gegen FC Thun. Es könnte aber auch 1980 sein. Als kleiner Junge war ich damals zum ersten Mal im Brügglifeld. Seitdem immer wieder. Hier hat sich die letzten 40 Jahre nicht viel verändert. Schon bei meinem ersten Besuch war das Stadion alt, zu alt, viel zu alt. Was haben wir uns damals darüber geärgert und auch ein bisschen geschämt. Alle anderen Nati-AClubs hatten damals schon neuere und grössere und modernere Stadien. Heute haben all diese Clubs noch neuere und noch grössere und noch modernere Stadien. Nur der FC Aarau nicht. Und wahrscheinlich noch lange nicht. Denn seit Jahren wird gemauert statt gebaut.

Aber hey, keine Nostalgie jetzt. Auch für Fan-Alteisen wie mich gilt, sich langsam aber sicher vom geliebten Brügglifeld zu verabschieden und sich auf das neue Stadion beim Bahnhof zu freuen. Die Frage, die mich bewegt: Sind all diese Emotionen, die grossen Siege, die schmerzhaften Niederlagen, die wir seit Jahrzehnten im Brügglifeld so hautnah erleben und von denen der Fussball lebt, dann auch im Torfeld Süd in der gleichen Intensität erlebbar? Wahrscheinlich nicht. Es gibt jedoch keine Alternative. Ohne neues Stadion gibt es keinen Profifussball mehr in Aarau. Der moderne Fussball braucht ein modernes Stadion, verlangt der Verband.

Wie kann man möglichst viel Brügglifeld-Karma ins Torfeld Süd mitnehmen, fragen sich die Fans. Das komme dann schon mit den Jahren, heisst es von den Planern. Wobei: Das Torfeld Süd soll eine 1:1-Kopie des Xamax-Stadions sein. Mon dieu!

Solcherlei diskutiert man entweder beim Pausenbier ennet dem Stadtbach im «Jufer», wie die alten Fans den «Sportplatz» immer noch nennen. Oder eben im Pissoir, dem Quell aller News und Gerüchte rund um den FC Aarau. «Dieses Pissoir nehmen wir dann mit ins Torfeld Süd!», meint genau dort am Sonntag nach dem 2:0-Sieg einer und alle in der Reihe nicken und lachen und lassen es laufen.