Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

Die Apotheken können nichts dafür

Die bundesrätliche Ausweitung der Zertifikatspflicht löste eine Welle der Entrüstung aus. Die volle Breitseite dieses Frustes bekommt eine Berufsgattung zu spüren, die es in keinster Weise verdient hat: die Apotheken. Was sich das vorwiegend weibliche Personal seit dem Bundesratsentscheid gefallen lassen muss, geht auf keine «Kuhhaut»!

Dabei sind es gerade die Apotheken, die seit Monaten testen, was das Zeug hält, ihre Kapazitäten laufend ausbauen und ihr Möglichstes oder noch mehr tun. Viele von ihnen impfen nun auch und geben praktisch rund um die Uhr Auskunft, beantworten auch Fragen rund um Corona, die nicht in ihr Metier gehören. Sie wollen nur das Beste für ihre Kundschaft und die Bevölkerung.

Auch den Mitarbeitenden der Apotheken stinkt diese Pandemie, das dürfen Sie mir glauben. Und seit letztem Mittwoch und dem Bundesratsentscheid noch viel mehr. Denn die Mitarbeitenden der Apotheken werden für viele zum «Anseichpfosten». Sie werden angebrüllt, beschimpft und sogar bedroht. Dabei sind sie es, die Überstunden schieben, weil alle ihre Test- und Impftermine ausgebucht sind.

Wir tun gut daran, unserem Gesundheitspersonal Sorge zu tragen. Zwar ist die Zahl der Lernenden im Gesundheitswesen noch steigend. Doch die Begeisterung der Ausgebildeten und Erfahrenen hat in den letzten Monaten schlagartig abgenommen. Immer mehr schmeissen hin. Der «starke Franken» hat auch für ausländisches Pflegepersonal an Faszination eingebüsst. Auch ihnen ist zu Ohren gekommen, dass hier jeder Franken mit Sonderschichten hart erarbeitet werden muss.

In verschiedenen Sparten der Verwaltung kommt bereits heute die «künstliche Intelligenz» in Form von Telefonrobotern zum Einsatz. Sie beantworten einen Grossteil der auch in Mundart gestellten Fragen zuverlässig und gekonnt. Wie die Roboter auf Beleidigungen und Bedrohungen reagieren, ist nicht bekannt. Gefallen wird es aber auch ihnen nicht.

Deshalb denken Sie daran: Behandeln Sie Ihr Gegenüber so, wie Sie auch gerne behandelt werden wollen. Und erfreuen Sie sich an der Situation, dass es noch Menschen gibt, die sich persönlich um Ihr Wohl kümmern und gerne für Sie arbeiten. Auch dann noch, wenn ihr eigener Akku eigentlich schon leer ist.