Gedanken

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Kaspar Flückiger, Redaktor

Die Rache des Heinz

Eigentlich ist es nicht so schlimm, wenn man Heinz heisst. Es gibt schlimmere Vornamen. Meiner zum Beispiel. Da ist es spätestens im Kindergarten Schluss mit lustig. Ich sage nur: «Tri tra trallala.» Wahrscheinlich hat man es als Heinz etwas leichter.

Ausser vielleicht der Heinz heisst mit Nachnamen Ketchup. Dann ist das natürlich eine ganz andere Geschichte. Heinz Ketchup wird bei uns zu Hause nur Heinz genannt. «Wo ist Heinz?», heisst es da, oder: «Gib mir mal den Heinz rüber!», oder auf dem Einkaufszettel steht nicht Ketchup, sondern einfach nur Heinz: «Bring noch Heinz mit!» Essen wir auswärts Pommes mit Ketchup, rufen wir erfreut: «Ja schau mal, der Heinz, grüss dich!»

Längst hat Heinz bei uns einen festen Platz in der Familie. Heinz Ketchup steht bei uns, so wie es sich gehört, auf dem Kopf. Viele Jahre war sein Platz im Kühlschrank. Dort stand er Kopf neben Thomy. Den nannten wir komischerweise aber gar nicht Thomy, sondern wir verwendeten nur seinen Nachnamen: Senf! Mayonnaise! Nur Heinz wird bei uns persönlich angesprochen.

Heute steht Heinz in der Küche neben dem Olivenöl und dem Balsamico. Irgendwo haben wir gelesen, dass Heinz nicht im Kühlschrank leben muss, wenn man ihn innerhalb von 30 Tagen… wie soll ich es sagen, verbraucht? geleert? benutzt? verspeist hat? Sie wissen schon, bis Heinz «Flasche leer» hat.

Jahrelang lebten Heinz und wir einträchtig unter einem Dach. Seine Rache kam vor ein paar Tagen und völlig unerwartet. Als Krönung meines fertig gekochten Abendessens musste Heinz ran. Doch der bockte auf einmal, gab sich verschlossen, egal wie fest ich auf ihm herumdrückte. Er wollte seinen Inhalt nicht preisgeben. «Komm Heinz, jetzt sei mal nicht so verstopft, lass los!», sprach ich leicht missmutig zu ihm, drückte noch fester drauf – und da passierte es: Heinz liess los und sein Ketchup spritzte mit sehr viel Überdruck in den Teller und weit darüber hinaus, links und rechts auf den Tisch, auf mein Shirt, auf meine Hose und auf den Küchenboden – ein Chaos erster Güte. Gäbe es ein Foto davon, würde man sofort auf ein blutiges Verbrechen tippen.

Nach den Putzarbeiten und einem nicht mehr ganz so warmen Abendessen fasste ich einen Entschluss: Strafe muss ein, bestimmte ich und stellte Heinz wieder zurück in den Kühlschrank. «Sorry, Heinz!»