Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

Die Zeitung hat noch lange nicht ausgedient

Im Computerzeitalter sind handgeschriebene Briefe eine seltene, aber willkommene Abwechslung. Auch auf der Redaktion. Noch gibt es Leserinnen und Leser, die uns Einsendungen auf dem Postweg zukommen lassen. So wie Lotti Dätwyler aus Chavannes-près-Renens im Kanton Waadt. Sie hat uns in einem gelben A3-Umschlag eine gut erhaltene Ausgabe des Landanzeigers vom Freitag, 27. August 1943 geschickt. Die Zeitung diente ihr über mehrere Jahrzehnte in einem Wandkasten als Auskleidung.

In der vierseitigen Ausgabe, die während dem zweiten Weltkrieg erschien, sind keine Fotos zu finden. Dafür Inserate, die einem zum Schmunzeln bringen, andere zum Nachdenken. So heisst es in einer Anzeige: «Gesucht, 12- bis 15-jähriger, gesunder Knabe, zu Landwirt, bei guter Behandlung». Wir fragen uns auf der Redaktion, wird hier ein junger Knecht gesucht oder ein Verdingkind? Weiter unten: «Auf Anfang September könnte ein kräftiger, intelligenter Jüngling, nicht unter 16 Jahren, mit guten Schulzeugnissen, unter günstigen Bedingungen, eine Lehrstelle als Sattler oder Tapezierer antreten.» Wir fragen uns, musste hier der Jüngling Geld bringen, damit er die Lehre absolvieren kann? Heute unvorstellbar.

Zum Schmunzeln brachte uns Coiffeur E. Fuhrer aus Oberentfelden, er schrieb: «Ich bitte meine verehrte Kundschaft, während meiner Abwesenheit, das Haare schneiden an Samstagen zu unterlassen. Höfliche Empfehlung.» Oder die Apotheke A. Schwyter in Schöftland inserierte: «Übermässiger Fussschweiss und Achselschweiss sind lästig. Fusspuder, Formalinlösung oder Fussbadesalz beseitigen diese unangenehmen Erscheinungen rasch und »ohne Schaden«. Erstaunliches bot auch die Drogerie K. Tuchschmid aus Oberentfelden zum Kauf an. »Mist ohne Vieh: 5 Kilo Fr. 3.40, 10 Kilo Fr. 5.70. «Herausgestochen sind auch die vielen Inserate, die zum Tanze riefen, sei es in die »Herberge« nach Teufenthal, in den »Bären« Holziken, ins »Rössli« Kölliken oder ins Alkoholfreie Restaurant »Striegel« nach Safenwil.

Ob sich die Tanzfreudigen heute auch noch in der Zeitung informieren, «wo der Bär tanzt»? Ich glaube nicht. «Die Zeitung stirbt aus, Digital gehts in die Zukunft», bekomme ich von Jüngeren öfters zu hören. Dabei hat die Zeitung so viel Vorteile. Nach dem Lesen kann man sie zum Anfeuern benutzen, kann damit die Katzenkiste auskleiden, kann nasse Schuhe stopfen. Oder die in diesem Sommer besonders lästigen Wespen tot schlagen. Versuchen Sie das mal mit dem Laptop oder dem Computer-Tablet.