Gedanken

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Kaspar Flückiger, Redaktor

Endlich Junior Controller

Zugegeben, mein Englisch ist nicht das Gelbe vom Ei, aber es geht. Oder, wie es einst ein deutscher Aussenminister gesagt haben soll: «My english is not the yellow of the egg, but it goes!» Gut, ein deutscher Aussenminister müsste die englische Sprache eigentlich viel besser beherrschen als ein Landanzeiger-Redaktor. Schliesslich pflegen wir hier bei der Zeitung eine einfache und verständliche Sprache, möglichst ohne Fremdwörter.

So könnte man vermuten, dass ich beim Landanzeiger ohne Englisch locker über die Runden kommen müsste. Aber so easy ist es dann auch wieder nicht. Der Teufel liegt bekanntlich im Detail, oder eben: the devil lies in the detail. Längst ist auch mein Arbeitsalltag voll von englischen Fachausdrücken. So publizieren wir keine Inhalte mehr, sondern «content». Hatte ich früher ein Mittagessen mit dem Abteilungsleiter, geht es heute mit dem Senior Manager zum Business Lunch. Und wie lautet noch mal der neue Berufstitel der Kollegin?

Immer mehr passiert es mir, dass ich nur noch Railwaystation verstehe, also Bahnhof. Manchmal frage ich meinen direkten Vorgesetzten Raphael um Rat und der übersetzt mir das Wichtigste. Komisch eigentlich, dass er immer noch Chefredaktor ist und nicht längst CIO, also «Chief Information Officer». Vieles wäre einfacher, wenn eine Geschäftsleitung und der Direktor oder die Direktorin wieder als solche bezeichnet würden.

Das Ganze muss ich unbedingt mit meinem Freund Fredy besprechen. Bevor er in seine «Easter Holidays» geht, treffe ich ihn in einem Pub. Dort, surprise surprise, spricht die Bedienung auch durchwegs englisch. Aber: Don’t panic! Fredy jedenfalls bestellt ganz gekonnt ein «Pint of Guinness, please!». Von der Bierauswahl und der Sprache überfordert, ist mir nun alles so was von Wurst (that is me so what of sausage), ich halte meinen Rücken gerade und bestelle auf Schweizerdeutsch «es Grosses». Und oh Wunder: der Barkeeper nickt und zapft für mich ein ganz normales Lagerbier in ein Pintglas. Auch er weiss offenbar: Manchmal braucht der Mensch einfach ein Bier, oder einen Kaffee.

Dann sagt Fredy, er habe heute nicht viel Zeit, höchstens dieses eine Bierchen, er müsse spätestens um halb sieben den Sohnemann hüten, weil seine Frau ins Yoga geht. «Ah, ich weiss», sage ich, «du bist jetzt endlich Junior Controller!».