Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli – Redaktorin

Fernbeziehung in den eigenen vier Wänden

In dieser Ausgabe des Landanzeigers sind wir «Zu Gast in Olten». Und auch ich war in den vergangenen Jahren sehr oft zu Gast in Olten. Denn ich habe mir einen waschechten Oltner geangelt, in den ich mich Hals über Kopf verliebt habe. Vor mehr als zwei Jahren sind wir dann auch zusammengezogen – nach Aarau natürlich, etwas anderes kam für mich nicht in Frage. Seither versuche ich, meinen Oltner zum Aarauer «umzuerziehen ». Vergeblich.

Weshalb wir mit Faszination und auch etwas Wehmut den Abriss der Kettenbrücke mitverfolgen, versteht mein Oltner nicht. Dass der Maienzug das Fest der Feste ist, fühlt er nicht. Wie viele Schwanenbabys auf der Aare schwimmen, ist ihm doch egal. Ein neues Fussballstadion? – Schulterzucken. Und was ist überhaupt dieser Zukunftraum, von dem alle sprechen? Keine Ahnung. Noch immer sind ihm die Themen in Olten wichtiger. Da kann er mitreden. Und noch immer spricht er von «wir in Olten …». Naja, so muss ich mich wohl langsam aber sicher damit abfinden, dass wir eine Fernbeziehung in den eigenen vier Wänden führen. Die Aarauerin und der Oltner.

Ich muss aber eingestehen, wäre es umgekehrt und ich würde mit ihm in Olten wohnen, Aarau würde genau so meine wahre Heimat bleiben. Trotzdem bin ich froh, dass ich durch ihn Olten kennenlernen durfte. Denn das Städtchen ist wahrlich unterschätzt und hat eine Menge zu bieten. Ja, ich wage sogar zu sagen, dass mir Olten in einigen (wenigen) Dingen sogar besser gefällt. Während man am Wochenende in Aarau Mühe hat, um noch irgendwo ein Plätzchen in einer Beiz zu ergattern, kann man es sich in Olten aussuchen. Auch vom Aarebistro bin ich total Fan. Eine Beiz wirklich direkt an der Aare, wo man die Füsse baden kann, während man seinen Cocktail schlürft, das fehlt hier in Aarau. Und auch die 23 Sternschnuppen, der Kultur- Adventskalender, für den sich die Kulturvereine zusammenschliessen, warum ist das Aarau noch nie in den Sinn gekommen? Wir hätten doch auch das Potential dazu.

Bis auf das Stadthaus (das ist wirklich das hässlichste Gebäude der Dreitannenstadt) ist Olten wunderschön. Olten hat seine Qualitäten und es lohnt sich wirklich, die Stadt zu entdecken und seine Menschen etwas besser kennenzulernen. Hat man dann aber genug von «zu Gast in Olten», ist man schnurstracks in nur elf Zug-Minuten wieder zurück in der Heimat – da wo es halt trotzdem am Schönsten ist.