Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

Freue mich auf die Pensionierung

Wenn ich pensioniert bin, dann habe ich endlich Zeit, die Dinge zu tun, für die ich zuvor nie Zeit hatte. Oder für die ich mir nie Zeit genommen habe. Diese Sätze hört man immer wieder von Menschen, die kurz vor der Pensionierung stehen.

Endlich mal ausspannen, den Garten bestellen, reisen, das Haus ausmisten, Sport treiben und mich mit Freunden treffen. Das alles wäre eigentlich auch vorher möglich, doch künftig soll es einem dann viel einfacher fallen, da man ja Zeit hat. Viel Zeit sogar.

Die Pensionierung birgt aber auch einige Tücken: So kommt es bei Männern sehr oft vor, dass sie bei den täglichen Arbeitsabläufen ihrer Frau zu Hause Verbesserungspotential orten. Ein Bekannter von mir hat bereits zwei Wochen nach seinem letzten Arbeitstag die ganze Küche seiner Frau umgestellt. Geschirr, Gewürze, Pfannen, Vorräte, alles an einem neuen – aus seiner Sicht – optimalen Ort. Die Frau fand das, gelinde gesagt, nicht lustig, denn das Kochen und Abwaschen wollte der Herr Gemahl natürlich nicht übernehmen. Befehlen und umstrukturieren Ja, arbeiten Nein.

Nicht umsonst bieten Organisationen wie Pro Senectute und andere Vorbereitungskurse auf die Pension an. Der Übergang vom Arbeitsalltag in den Ruhestand bringt nicht nur persönliche, wirtschaftliche, sondern auch soziale Änderungen mit sich. Auf die sollte man und Mann sich gut vorbereiten. Gerade Letzterer glaubt, vor allem dann, wenn er im Berufsleben eine Führungsposition innehatte, dass der Ruhestand ein «Kinderspiel» sei. Der neue Lebensabschnitt – die permanente Freizeit – muss aber geplant und die eigenen Pensionierungsprojekte ausgesprochen werden. Wer sorgfältig plant, kann den Ruhestand sorgenfrei(er) geniessen.

Auch ich stehe vor der Pension, zwar nicht direkt. Es geht noch 2902 Tage, bis ich den Ruhestand antreten kann. Genügend Zeit also, das Leben und die Arbeit zu geniessen, viele Dinge zu tun, die einen jetzt schon glücklich machen. Die Pensionierung sollte aus meiner Sicht dann eine Art «Bonus» sein und nicht der Lebensabschnitt, in dem ich nachholen muss, was ich vorher verpasst habe. Denn das geht selten gut aus.