Gedanken

Deny Lanz Inserateverkäufer | Der Landanzeiger
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Deny Lanz, Inseratverkäufer und Underground-Dichter

Gedichte helfen, ein Inserat auch

Nun ist er also gekommen, mein letzter Arbeitstag beim «Landanzeiger». Zehn Jahre lang durfte ich hier als Anzeigenverkäufer unterwegs sein und mein Geld verdienen. Trotzdem würde ich diesen Beruf einem 20-Jährigen heute nicht mehr empfehlen. Öfters stellte ich mir die Frage: Was kann ich eigentlich sonst noch? Gedichte schreiben. Hurra! Davon kann man nicht leben, jedenfalls ich nicht. Mein erstes Buch «Die Sliwowitz-Mama» hat gerade mal 300 Exemplare abgeworfen. Man fängt klein an, bleibt bescheiden, wartet und erhofft sich einen Durchbruch mit einem Bestseller- Roman. Weil man vom Warten nicht leben kann, halte ich mich seit dem 19. Lebensjahr mit Inseratenverkauf über Wasser.

Eins vorweg: Ich verlasse den «Landanzeiger» freiwillig. Bis jetzt hatte ich immer das Glück, meinen Abgang selbst bestimmen zu können. Die Freiheit begleitet mich mein Leben lang und ist mein bester Freund. Ich würde sie für nichts und niemanden aufgeben. Die Langeweile ist ihr Feind – manchmal wird ein Job nach Jahren monoton. Dann kann man die Faust im Sack machen oder gehen.

Ich blicke gerne auf die letzten zehn Jahre beim «Landanzeiger» zurück. Für unser Team stand die Kundenpflege immer im Vordergrund. «Ist der Kunde zufrieden, sind wir es auch», war schon das Motto meines Ex-Chefs Markus Schenk, der mich im März 2011 als Verkäufer einstellte.

Viele schöne, lustige und eindrückliche Begegnungen kommen mir in den Sinn. Mit Kioskfrau Ruth entwickelte sich schnell ein freundschaftliches Verhältnis. Ich war ihr Werber, Texter und manchmal wollte sie einfach nur ein Gedicht hören. Ich spielte jede Woche Lotto bei ihr und träumte von Millionen. Mit dem Gewinn ginge es in meiner Vorstellung ab nach Mallorca, ein kleines Zimmer beziehen, Gedichte schreiben, aufs Meer blicken und das Leben geniessen.

Aber dann müsste ich auf Suzana verzichten. Sie lebt wie ich im Hochhaus, über den Dächern von Oftringen, weit oben im 17. Stock. Und einmal in der Woche trinken wir Wein zusammen und lesen uns unsere «neusten literarischen Verbrechen» vor.

Als Kundenberater und Dichter rate ich Ihnen: Bleiben Sie entspannt in der Krise. Gedichte helfen. Ein Inserat hilft manchmal auch.