Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Gemeinderaten

Seit Fredy aus den Ferien zurück ist, versuche ich vergeblich, ihm zu entlocken, wie es dort war. Ich weiss nur, dass er mit Frau und einjährigem Sohnemann irgendwo in Italien am Meer war und dass es dort in dieser Zeit brutal heiss war. Alle Nachfragen meinerseits prallen an ihm ab.

Man muss wissen, dass Fredy ein Weltmeister ist im Nichtbeantworten von Fragen. Meistens stellt er einfach eine Gegenfrage, so wie jetzt auch: «Wart ihr nicht auch grad kürzlich in den Ferien?» – «Ja, waren wir, in den Bergen, im Engadin und es war suuuper!», beginnt es bei mir sofort zu sprudeln, bis ich mitten im Erzählfluss merke, dass ich einmal mehr voll reingetappt bin in seine Falle.

Fredy nutzt mein Zögern und erzählt feurig: Sein Bruder kandidiere für den Gemeinderat. Er sei dessen Wahlmanager. Meine Frage, seit wann er sich plötzlich für Politik interessiere, wischt er mit einer Handbewegung weg, als wäre sie eine lästige Fliege.

Beim Thema gerät er – wie so oft – in Wortspielereien: «Wieso heisst es eigentlich Gemeinderat?», will er wissen und hebt den Finger und die Augenbrauen, «die sollen es wissen und nicht raten!» Er fabuliert gestenreich weiter mit der steilen These, ob «Gemeinderaten» vielleicht als Quiz anzusehen sei. Die, die am nächsten Sonntag gewählt würden, seien dann je nachdem die fünf oder sieben Kandidaten, die es fürs grosse «Gemeinderaten-Quiz» brauche. Das Quiz dauert vier Jahre, dann werden neue Kandidatinnen und Kandidaten gewählt.

«Fredy, dein Sinn für Humor in allen Ehren», unterbreche ich seinen wahnwitzigen Monolog, «aber das sind keine Quizkandidaten, es sind Mitglieder eines Gemeinderates, also die lokale Regierung!» Fredy aber ist immer noch in seiner eigenen Wortspiel-Welt: «Hat nicht Komiker Hape Kerkeling einst das lustige Lied gesungen mit dem Refrain: ‹Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten, das ganze Leben ist ein Quiz, mir müssen raten, raten, raten!›?»

Ja, das hat er; dieses Lied kenne ich auch und ich singe es ihm vor. Wir lachen, klopfen uns auf die Schenkel und das erste Mal seit einer halben Stunde blickt er mir direkt in die Augen. Fredy scheint wieder ganz bei mir zu sein. Das Eis ist gebrochen, ich bestelle uns ein Bier. Wir prosten uns zu und ich fordere ihn auf, das Lied noch einmal anzustimmen: «Das ganze Leben ist ein Quiz!»