Gedanken

Markus Schenk | Gedanken | Der Landanzeiger
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Markus Schenk, Chefredaktor

Generationenprofit – Generationenkonflikt

Die Zeiten der Grossfamilien sind in Westeuropa wohl nicht zuletzt des Wohlstandes wegen vorbei. Jede Familie hat eine eigene Wohnung. Jede Familie ist für sich und wenn sie nicht will, muss sie sich nicht mit anderen abgeben. Unterhaltung ist dank den digitalen Medien genügend vorhanden – sogar einkaufen kann man zu Hause. So kommt es, dass viele Zeitgenossen heute anonym leben.

In unserer Region ist vor noch nicht allzu langer Zeit eine Frau gestorben ohne, dass sie jemand vermisste. Nach drei Wochen wurde sie in ihrer Wohnung gefunden. Da haben wir es wirklich weit gebracht! Jeder schaut zuerst für sich und dann für die eigene Familie. Das Darumherum geht verloren. Die Folge sind Anonymität und Einsamkeit.

Zu meiner Jugendzeit war das noch anders. In unserem Haus waren nicht nur meine Geschwister und die Eltern untergebracht, sondern auch die Grosseltern und sogar eine Grosstante. Selbstverständlich wurde jeweils auch das Essen gemeinsam an einem grossen Tisch eingenommen und dabei vernahm man dies und das auch ohne Fernseher.

Mein Grossvater – ein intelligenter Mann – erkrankte früh an Multiple Sklerose. Dies wiederum war für uns eine Chance. Der Grossvater konnte zwar nicht arbeiten, aber er konnte mit uns lernen. So half die eine Generation der andern und auch ich habe profitiert. 

Der Grossvater schrieb einst für die Bauernzeitung, ich dann eben für den Landanzeiger. Der Grossvater schaute, dass wir die Hausaufgaben erledigten und erklärte uns dies und das aus dem Leben.

Am vergangenen Wochenende weilte ich in Italien. In einer Ortschaft am Ortasee wurde das Schulfest gefeiert. Eingebunden wurden dabei auch die Senioren des Dorfes. An verschiedenen Posten zeigten sie den jungen Leuten alte Spiele und Tricks. Die Augen der Schüler funkelten und die Senioren machten mit viel Einsatz mit und vor allem die Leute lernten sich besser kennen.

Für mich war es interessant zu beobachten, dass es am Schulfest in Italien nicht teure Einrichtungen brauchte, um die Jungen und auch die Alten zufrieden zu stellen. Ich denke, dass solche Partnerschaften auch hier greifen könnten. Mehrere Generationen können so voneinander profitieren. Aber wir müssten wieder aufeinander zugehen. Das Rad lässt sich natürlich nicht so schnell zurückdrehen und doch sollten wir in diese Richtung denken.

Regen wir uns nicht immer auf über den Lärm der Jugend. Wenn wir uns mit ihr beschäftigen, sind sie gar nicht mehr so laut und die «Alten» haben wieder eine sinnvolle Aufgabe.