Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

Gute Namenswahl ist keine Glücksache

Einen kleinen Babyboom hat die Pandemie Ende des ersten Corona-Jahrs ausgelöst. Lockdown und Homeoffice haben die Geburtenrate um gegen zehn Prozent ansteigen lassen. Wer sich durch die Babygalerie des Kantonsspitals klickt, der stellt schnell fest: Kurze und moderne Namen sind zurzeit in. Namen, die man gut rufen, aber nicht verhunzen kann. Das hoffen jedenfalls die Eltern. Dass es aber fast immer anders kommt, kennt wohl jeder von uns.

An «Räffeli» oder «Affi-Raffi» habe ich mich schnell gewöhnt, auch wenn ich es schätze, beim richtigen Namen genannt zu werden. Denn mein Name gefällt mir. Ich bin glücklich damit. Wäre ich ein Mädchen geworden, würde ich Anastasia heissen. Ich stell mir dann immer vor: Anastasia, 196 cm hoch, 112 Kilo schwer. Wahrscheinlich wäre ich Kugelstösserin geworden.

Eine Umfrage bei meinen Arbeitsgspänli zeigt, dass nicht alle gleich glücklich sind mit ihren Vornamen. Kaspar hat als Kind sehr gelitten. Sie kennen es: «Tri, tra, trallala, de …» Petra findet ihren Vornamen zu hart und Peter sagt trocken: «Ich musste ihn annehmen.» Das Schöne an seinem Namen sei, dass er in fast jeder Sprache anders heisse. Zum Beispiel Pierre, Piotr, Pedro, Petteri oder Pietro. Rolf ist mit seinem Namen zufrieden und auch Sarah. Sie legt einzig Wert auf das «h» am Namensende, denn die mit dem «h» seien die Speziellen. Ninjelle ist sehr stolz auf ihren Namen. Ihre Eltern haben ihn extra für sie entworfen.

Immer wieder suchen Eltern für ihre Kinder spezielle Babynamen. Es ist für ein Mädchen sicherlich schön, wenn es eine Haut wie ein Pfirsich hat, aber ob es mit dem Namen «Peaches» oder «Apple» (Apfel) oder gar «Hazel» (Haselnuss) glücklich wird, darf bezweifelt werden. Es gibt bestimmt auch etwas Schöneres, als nach einem Instrument, wie dem «Banjo», benannt zu werden. Besonders beliebt sind Namen aus Filmen, doch möchten sie «Mowgli» wie einer der Hauptdarsteller des «Dschungelbuchs» heissen? Tesla-Gründer Elon Musk hat seinen Sohn X, AE, A-Xii und seine Tochter Exa Dark Siderael taufen lassen. Da sich diese Namen niemand merken kann, nennt er seinen Sohn «X» und seine Tochter «Y».

Weniger Egoismus stände diesen Eltern gut an, denn es ist kein wirkliches Geschenk, «Blauer Bär», «Schulranzen» (Satchel) oder «Hörbare Wissenschaft» (Audio Science) zu heissen. Das wären nicht mal lustige Pfadinamen.