Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

Hauptsache, abgewählt

Hauptsache, abgewählt, haben sich viele gesagt, als Bundesrat Christoph Blocher im Dezember 2007 nicht wiedergewählt und durch Eveline Widmer-Schlumpf ersetzt wurde.
Hauptsache, weg, haben sich andere gedacht, als die Aargauer Regierungsrätin Franziska Roth zuerst entmachtet und dann im Juni 2019 doch vom Amt zurückgetreten ist.
Hauptsache, abgewählt, dachten sich viele rund um den Erdball, als Ende des letzten Jahres bekannt wurde, dass US-Präsident Donald Trump seine Wiederwahl nicht schaffte.
Hauptsache, abgewählt, das hört man auch im Landanzeiger-Gebiet immer öfters, und nicht nur am Stammtisch.

Es gibt immer Gründe, warum einem gewisse Politiker nicht passen oder gar missfallen. Sei es, weil man sich ungerecht behandelt fühlt, Entscheide zu Ungunsten von einem ausgefallen sind oder man mit der Auslegung des Gesetzes nicht einverstanden ist. Oder weil die Behörden einen Fehler gemacht haben.

Hat man früher versucht, einen Fall mit Gesprächen zu lösen, so wird heute als Erstes gedroht. Meist mit dem Gang zu den Medien wie «Blick», «Beobachter » oder «Kassensturz». Führt diese Einschüchterung nicht zum gewünschten Erfolg, sollen Diffamierungen im Internet den Druck auf den Gegner erhöhen. Oder anonyme Schreiben. Oder ein Anwalt. Oder …

Das Leben als Politiker ist kein Zuckerschlecken. Egal ob international, national oder regional. Gibt es für die Grossen noch ordentlich «Schmerzensgeld», so ist es auf Gemeindeebene zwar kein Sackgeld, aber auch keine wahnsinnige Entschädigung.

Des Geldes wegen nimmt kaum jemand dieses Amt auf sich. Vielmehr ist es die Überzeugung, für die Allgemeinheit Gutes zu tun und die Gemeinde voranzubringen. Dafür stehen viele Milizpolitikerinnen und -politiker mit ihrem Gesicht und ihrem Namen hin und investieren viel (Frei-)Zeit und Herzblut. Das ist, aufgrund beruflicher wie familiärer Verpflichtungen, alles andere als selbstverständlich und verdient Respekt und Anerkennung. Kein Politiker hat in seiner Amtszeit alles richtig und schon gar nicht alles falsch gemacht!

Wer glaubt, es nicht nur gleich gut, sondern sogar besser machen zu können als die Amtierenden, darf gerne kandidieren. Gute Politiker werden in jeder Gemeinde gesucht. Auch nach den Gesamterneuerungswahlen.