Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

«Hesch au en Blinker?»

Als ich vor 38 Jahren das Autofahren erlernte, war noch richtige Handarbeit gefordert. Das Steuerrad des viergängigen, roten Simcas meines Fahrlehrers musste mit beiden Händen geführt werden. Das Kurvenfahren forderte Muskelkraft, wie das Gangschalten und das Hoch- und Runterkurbeln der Fenster auch. Beim Einparken waren Beweglichkeit und ein gutes Auge gefordert. Ein Autoradio gabs noch keins.

Ich habs überlebt. Vielleicht auch, weil mein Fahrlehrer grossen Wert auf den richtigen Einsatz des «Fahrtrichtungsanzeigers» legte. Es war eines seiner Lieblingswörter während der ganzen Fahrschule. Rollt man die Entstehung des Fahrzeugs auf, so stellt man fest, dass die Wichtigkeit des Blinkers als Kommunikationsmittel auf der Strasse schon früh erkannt wurde.

Noch heute erfüllt der Blinker bei richtiger Anwendung eine wichtige Funktion im Verkehr. Über ihn tauschen wir uns mit anderen Verkehrsteilnehmern aus, organisieren das Gewusel auf unseren Strassen und verstehen durch ihn, warum jemand das tut, was er gerade tut. Wenn er dann auch das tut, was er mit dem Blinker anzeigt.

Auf Schweizer Strassen verzichten leider immer mehr Autofahrer auf dieses wichtige Kommunikationsmittel. Wir verkommen immer mehr zu einem Land von Blinkmuffeln.

Verkehrspsychologen, Fahrlehrer und Polizisten stufen Blinkmuffel in zwei Kategorien ein: die Vergesslichen und die Falschblinker. Zahlreiche Autofahrer vergessen das Blinken mit der Zeit. Zunächst ist es eher Bequemlichkeit, die im Normalfall keine Konsequenzen hat. Kein Unfall, kein Rempler, keine Busse, kein Problem. Dann schleifen sich die schlechten Gewohnheiten mit der Zeit ein. Das ist genauso gefährlich wie das Falschblinken. Viele Fahrzeuglenker wissen in bestimmten Situationen gar nicht, dass geblinkt werden muss. Oder sie blinken links und fahren geradeaus oder biegen rechts ab. Das verhindert die Verständigung auf der Strasse, erschwert das Miteinander und provoziert Unfälle. Dabei gilt heute noch, wie gestern, jeder Richtungswechsel muss angezeigt werden. Jeder! Und zwar richtig! Aber nicht mit dem Mittelfinger, sondern mit dem Blinker.

Die Technik in den Autos wurde in den letzten Jahren stetig verbessert. Vieles wurde automatisiert. Wann nimmt sich endlich ein Autobauer der Problematik «Blinkmuffel» an?