Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Heute Ruhetag

Hand aufs Herz: Gelingt es Ihnen, an freien Tagen auch wirklich frei zu haben? Frei im Sinne von: keine geschäftlichen Kontakte mit Kunden oder dem Team, nicht im Home-Office am Sonntag ein Stündchen oder zwei arbeiten, keine geschäftlichen Mails überprüfen und beantworten?

Gelingt es Ihnen, an freien Tagen richtig zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen? Schaffen Sie es, sagen wir mal, eine Stunde im Liegestuhl zu liegen, ohne Gedanken an den Job? Gelingt es Ihnen, einfach im Hier und Jetzt zu bleiben, eben im Liegestuhl zum Beispiel, und sich eine Stunde zu gönnen, in der sie nichts dergleichen tun und nur die vorbeiziehenden Wolken beobachten?

Wenn Sie das schaffen, haben Sie meine Bewunderung. Weil, ich kann das nicht. Am Sonntag habe ich es ausprobiert. Schon beim Morgenspaziergang mit dem Hund war ich mit meinen Gedanken bei den «Gedanken», also bei dieser Kolumne, die Sie gerade lesen. Die war da nämlich noch nicht geschrieben und schlimmer noch, ich hatte noch nicht einmal ein Thema gefunden. Den möchte ich sehen, rief ich in den Wald, der dann trotzdem tiefenentspannt durch den Wald spaziert, am Sonntagmorgen.

Später dann im Liegestuhl. Einfach nur daliegen und ausspannen, auch das wollte mir nicht gelingen. Statt Entspannung machte sich eine innere Unruhe breit. Tausend Sachen wären noch zu tun, da kann ich doch nicht seelenruhig im Liegestuhl liegen. Welt, Du bist aus einem Guss, Glück ist, wenn man nichts mehr muss!

Nach zwanzig Minuten verliess ich den Liegestuhl entnervt und nahm das Home-Office in Betrieb. Ich las und beantwortete ein paar Mails im Posteingang. Dann machte ich mich an die «Gedanken» und schrieb den Anfang dieser Kolumne. Beim Durchlesen des Textes bin ich dann zugegebenermassen etwas erschrocken über meine eigenen Gedanken.

So kann das nicht weitergehen, fand ich, und fasste den Vorsatz, an mindestens einem Tag in der Woche einen Ruhetag einzuschalten. Am besten ohne all meine beruflichen und privaten «Grätli», ohne Internet. Einen ganzen Tag lang offline sein, das Gestern und das Morgen ruhen lassen – im Hier und Jetzt bleiben. Das wollte ich unbedingt meinem Umfeld erzählen und lud sie zum Essen ins Restaurant ein. Doch was sehen wir dort vor der Eingangstür? Eine grosse Tafel verkündet: «Heute Ruhetag!»