Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli – Redaktorin

Homeoffice ist der Wahnsinn!

Homeoffice, 1. Woche:
Homeoffice ist der absolute Wahnsinn! Ich kann morgens eine halbe Stunde länger schlafen bin aber trotzdem zur selben Zeit bereit für die Arbeit. Auch der Weg in den Feierabend verkürzt sich enorm. Ein paar Schritte nur und ich bin mit einem Bierchen auf dem Balkon. Mit Homeoffice lässt es sich super gut Zeit sparen. Zudem staune ich über die Wunder der Technik. Meine ganze Arbeit kann ich tatsächlich genau wie im Büro auch von Zuhause aus erledigen. Und drücke ich hier in Aarau auf «Drucken», dann kommt das Material tatsächlich auf der Redaktion in Oberentfelden heraus. Homeoffice – einfach der Wahnsinn!

Homeoffice, 2. Woche:
Weshalb mir überhaupt noch die Mühe machen mich umzuziehen? Ich schlendere nun jeden Morgen in den Trainerhosen an den Laptop. Ob meine Frisur sitzt oder ob ich frisch geduscht bin, wen kümmerts? Hauptsache meine Arbeit ist am Ende des Tages erledigt. Gestern zum Beispiel standen meine Haare in alle Richtungen. So hätte ich mich niemals unter Leute getraut. Trotzdem habe ich mit dieser Frise ein Telefon-Interview geführt. Homeoffice ist einfach der Wahnsinn! Doch langsam aber sicher fehlen mir andere Kontakte. Ich freue mich jedes Mal riesig, wenn mich jemand anruft oder ich jemanden anrufen darf. Das koste ich total aus. Ich erzähle und frage, ganz egal, wenn es auch ein Werbeanruf ist. Trotzdem fühle ich mich mehr und mehr alleine, abgeschottet, eingesperrt. Wie es wohl den anderen im Büro im Moment geht? Fehle ich ihnen auch? Was machen sie gerade? Ob ich schnell anrufen soll? Vielleicht haben auch sie das Bedürfnis eine vertraute Stimme zu hören?

Homeoffice, seit der 3. Woche:
Die ersten Signale von Einsamkeit aus der zweiten Woche sind verflogen. Denn ich bin nun auch nicht mehr alleine. Wenn ich morgens aufstehe, mir den Bademantel überziehe und Richtung Laptop watschle, warten sie schon alle auf mich: Um meinen Laptop herum reihen sich Redbull-Dose, Kleiderbügel, Haarbürste, WC-Rolle und Wörterbuch. Ich nenne sie liebevoll Fritz, Ninjelle, Brige, Rolf und Raphael (alles Namen von Landanzeiger- Mitarbeitern). Täglich forden sie mich aufs Neue: So sagt die Redbull- Dose, «wir brauchen noch einen Auto- Text», «der Titel ist zu lang», meint die WC-Rolle, «hat es noch Platz auf der Aarau-Seite?», fragt der Kleiderbügel und «könntest du noch diesen Text kürzen? », bittet das Wörterbuch. Ah, so lässt es sich doch gleich viel besser arbeiten als in einsamer Stille. Homeoffice – und mein absoluter Wahnsinn!