Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

Ich und meine Passwörter

Die Digitalisierung bringt viele Vorteile mit sich. Immer mehr Dinge können einfach und per Mausklick am Computer erledigt werden. Hier eine Bestellung, da ein Formular, dort eine App oder das E-Banking. Nur noch schnell das Passwort eingeben und los gehts. Oder auch nicht.

Weil jeder von uns in der Zwischenzeit durchschnittlich zwischen 75 und 100 verschiedene Konten hat, wird das Verwalten von Passwörtern immer schwieriger. Natürlich kann man die einzelnen Passwörter auch aufschreiben und sicher aufbewahren. Doch ich kann Ihnen garantieren, den Zettel finden Sie bestimmt nicht, wenn Sie ihn dringend benötigen.

Es geht aber auch viel einfacher. Sie nehmen die Zahl «123456» als Passwort, und das müssen Sie ja nicht aufschreiben. Das können Sie sich gut merken. Diese Passwort-Kombination ist nicht nur «bubieifach», sondern auch das am meisten verwendete Passwort. In 43 von 50 untersuchten Ländern steht es auf Rang 1. Auf Rang 2 steht die Fortsetzung der Zahlenkombination und auf Rang 3 eine verkürzte Fassung davon. Und wie lautet das erste, mit Buchstaben geschrieben Passwort in dieser Rangliste? Richtig, «Password», und es steht auf Rang 4 der aktuellsten Nord-Pass-Studie, die sich mit dem Thema Passwort-Schutz auseinandersetzt.

Das Thema Online-Sicherheit sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das verdeutlicht die stetig steigende Zahl von Online-Delikten. Auch im Aargau. Im vergangenen Jahr nahmen die Straftaten im Kanton um 30 Prozent zu. Die Deliktsumme liegt bereits im zweistelligen Millionenbereich. Tendenz zunehmend.

Wenn Sie nun glauben, Sie seien «ein kleiner Fisch» und uninteressant für Betrüger, dann irren Sie sich. Die Studie, aber auch Aussagen von Fachleuten der Polizei machen deutlich, wie unsicher schwache Passwörter sind. Insgesamt können in der Schweiz 130 der 200 meistverwendeten Passwörter in weniger als einer Sekunde geknackt werden. Ups, damit habe ich nicht gerechnet.

Fachleute raten deshalb, einen Passwort-Manager zu verwenden. Dieser schafft Abhilfe, ist sicher und ist einfach zu bedienen. Schützen Sie den Passwort-Manager aber nicht mit dem längsten deutschen Wort der Welt, mit «Rinderkennzeichnungsfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz ». Die Chance, dass Sie es vergessen oder sich vertippen, ist viel zu gross.