Gedanken

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Kaspar Flückiger, Redaktor

In Zeiten des zunehmenden Bauches

Mit der Firma an die Metzgete, dann bei einer Geburtstagsfeier ein Wildteller und schliesslich ein gemütlicher Fondue- und Racletteplausch im Kreise der Familie. Die letzten Wochen sind schuld daran, dass ich mein Weihnachtsgewicht bereits erreicht habe. Den Mahnfinger hebend, meldet der Verstand, dass es so nicht weitergehen kann. «Mehr davon!», fordert hingegen das Gemüt. Schliesslich ist ein schönes Essen mit Freunden und Familie das beste Mittel gegen den Novemberblues.

Es wäre ja alles im grünen Bereich wenn wir uns nun satt und zufrieden auf die Hüfte und den Bauch klopfen und uns wohlgenährt wie die Bären oder die Murmeltiere bis im Frühling in den Bau zum Winterschlaf hinlegen würden. Tun wir aber nicht. Können wir auch nicht, weil wir trotz erreichtem Winterschlafgewicht leider keine Bären und auch keine Murmeltiere sind.

Im Gegenteil: Es geht munter weiter, schon bald sitzen wir wieder am Tisch. Dann heisst es: Herzlich willkommen zum Weihnachtsessen mit dem Turnverein, der Firma, der Kommission oder der erweiterten Familie. «Wunderbar!», jubelt das Gemüt, «Obacht!», warnt der Verstand.

Offenbar hat diese Sehnsucht nach einer wärmenden Kürbissuppe, nach einem üppigen Herbstteller oder nach einer währschaften «Berner Platte» mit dem Wechsel der Jahreszeit zu tun. Während wir im Sommer nach Lebensmitteln verlangen, die uns kühlen und erfrischen, erzeugt der Abschied von den angenehmen Temperaturen ein starkes Bedürfnis nach Energie und Wärme. So beschreibt es Christian Seiler in der neusten Ausgabe im Magazin des Tagesanzeigers.

«Essen gut – alles gut!», steht auf einem kleinen Schild in unserer Küche. Hier sitze ich und denke auch an jene, die ganz andere Sorgen haben. An jene, die liebend gerne wieder einmal eine warme Mahlzeit hätten, das Geld aber hinten und vorne nicht reicht für eine warme Suppe. Dass es Institutionen gibt, die diesen Menschen helfen, also beispielsweise die Caritas oder die Schweizer Tafel, finde ich wunderbar. Es zeugt von einer sozialen Wärme, die es einfach braucht, damit unsere Gesellschaft funktioniert.

Oder anders gesagt: Wenn es draussen kälter wird, müssen wir es drinnen warm haben, in der Küche, im Herzen und im Magen.