Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

Kann und will es nicht glauben

In den letzten Wochen habe ich meinen Keller entrümpelt. Es ist einiges zusammengekommen, das ich mir in den letzten Jahren angeschafft, es aber selten bis nie benutzt habe. Wohlstandsmüll nennt es mein bester Freund. Meine Segeltuch-Hängematte gehört nicht dazu. Sie stammt aus der Zeit, als ich während mehreren Jahren zur See fuhr. Am Wochenende habe ich mich im Garten mal wieder darin entspannt.

Während ich hin- und herschaukelte und die Grillen zirpten, sinnierte ich in der Nachmittagssonne darüber, was ich als Erstes machen möchte, wenn der Alltag wieder Einzug gehalten hat. Meine Mutter, sie wird im Dezember 85, möchte ich so schnell wie möglich wieder sehen und sie umarmen. Auch Treffen mit Freunden und deren Familien stehen weit oben auf meiner Wunschliste.

So schnell wird das wohl nicht möglich sein, auch wenn es in den kommenden Wochen und Monaten zu Lockerungen kommen wird. Der Zwei-Meter-Abstand wird bleiben. Das sei wichtig, betonen Fachleute aus vielen Bereichen. Auch Disziplin sei weiterhin gefragt, vor allem beim Händewaschen und dem Zuhause bleiben.

Unsere geplanten Herbstferien im Ausland habe ich schon Mal verworfen. Kein Problem, das Engadin ist im Oktober auch wunderschön. Doch kann ich überhaupt wieder campieren in den kommenden Monaten? Dann gehen wir halt öfters in die Badi. Doch auch die öffnen nicht so schnell, wie von vielen gewünscht. Und wann mein Lieblingsgartenrestaurant wieder öffnet, steht auch noch auf keiner Speisekarte.

Dass das Oktoberfest in München nicht stattfindet, stört mich weniger, auch wenn ich als Mitglied der Aarauer Stadtmusik schon die Ehre hatte, am grossen Festumzug in Bayerns Metropole mitzulaufen. Wird der Circus Knie in diesem Jahr seine Tournee überhaupt starten können? Nur allzugerne würde ich Ursus – ein alter Kadettenmusikkumpel – und Nadeschkin und die anderen Zirkusartisten im neuen Zelt im Aarauer Schachen beklatschen. Wenn nicht in diesem Jahr, dann halt vielleicht später. 2021 oder so.

Meine Hängematte schwingt immer noch langsam hin und her. Ich döse fast, bis mir ein Gedanke durch den Kopf schiesst: «Aarauer Maienzug». Ich kann und will mir irgendwie nicht vorstellen, dass er dieses Jahr, erstmals seit ich denken und laufen kann, nicht stattfinden könnte. Noch besteht Hoffnung.