Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Kundentrennstab

Dieses Wort musste ich erst googeln: Wie nennt mand as Teil, das man beim Einkaufen an der Kasse nimmt und aufs Band legt? Es hat die Länge eines Lineals und die ungefähre Form einer Toblerone-Schoggi. Es dient dem Personal dazu, die Einkäufe den einzelnen Kunden zuzuordnen. Sie wissen schon. Aber wie heisst das Ding nun richtig und offiziell? Die Internetsuchmaschine spuckt den gesuchten Begriff nach ein paar wenigen Sekunden aus: «Kundentrennstab».

Dieses Ding spielt die Hauptrolle in der Geschichte, die mir vor kurzem passiert ist. An der Kasse des Grossverteilers hat die Kundin schon alles aufs Band gelegt und zückt bereits das Portemonnaie. Also bin ich an der Reihe und will den Kundentrennstab platzieren. Doch es hat keinen, die ganze Reihe ist leer. Was ist hier los?

Ich lasse einen Abstand zum letzten Produkt der Kundin vor mir, lege meine Einkäufe aufs Band und schiele an die Kassen links und rechts von meiner, ob es vielleicht dort einen Kundentrennstab hat. Die flinke Kassiererin zieht ein Produkt nach dem andern durch ihren Piepsomat an der Kasse. Da ich immer noch die fehlenden Stäbe suche und dadurch abgelenkt bin, merke ich viel zu spät, dass sie bereits einige meiner Einkäufe erfasst hat. Als ich sie unterbreche und darauf hinweise, kippt die Stimmung bei allen Beteiligten. Ich habe ein Chaos veranstaltet. Die Kasse stimmt hinten und vorne nicht mehr. Die Produkte müssen neu zugeordnet werden. Die Kundin vor mir schenkt mir zum Abschied einen alles andere als freundlichen Blick. Ich entschuldige mich bei ihr und auch bei der Kassiererin wortreich und könnte vor Scham im Boden versinken.

Die Kassiererin, Frau Lüscher, erklärt mir, dass sie auf Anweisung von ganz oben alle Kundentrennstäbe entfernt haben. «Wegen Corona», erklärt sie. «Schauen Sie: Kunde A nimmt den Stab in die Hand, ich nehme ihn mit der Hand wieder weg und Kunde B nimmt ihn wieder in die Hand – wir müssten ja ständig desinfizieren», erklärt mir Frau Lüscher.

Weil hinter mir kein weiterer Kunde wartet, können wir nun, wo sich die Sache etwas entspannt hat, weiterplaudern. «Wissen Sie was», sage ich ihr, «das nächste Mal bringe ich meinen eigenen Kundentrennstab mit und sorge damit schon während dem Einkaufen für den vorgeschriebenen Abstand zu den anderen Kunden.» Wir lachen beide und die Welt ist wieder in Ordnung.