Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Last Christmas

Letzte Weihnacht war alles noch ganz anders: Die Familien zwängten sich um den grossen Tisch. Nach dem Essen wurde «geblockflötlet» und gesungen. Alle Weihnachtslieder rauf und runter. Vom Himmel hoch, da komm ich her, Stille Nacht, heilige Nacht – das volle Programm.

Aber das Singen, das ist ja nun verboten. «Blockflötlen» wohl auch. Es dürfte heute Abend auch kein Gedränge geben am Esstisch. Exakt Schweizerisch werden wir mit dem Doppelmeter die -Distanz von Teller zu Teller abmessen: einmeterfünfzig. Oh Du Fröhliche!

Wie soll man das feiern, heute und morgen? Und vor allem: mit wem – und mit wem nicht? Wieviele dürfen überhaupt noch und aus wievielen Haushalten? Wer hat da noch den Überblick? Ja, da gibt es viele, die sich ob dieser Fragen in den letzten Tagen am Kopf gekratzt haben und ihr Xmas-Programm xmal in Gedanken drehten und wendeten.

Vielleicht sollte man die ganzen Festtage dieses Jahr anders angehen als sonst: viel lockerer, ohne Ansprüche an Perfektion und einfach das geniessen, was in diesen speziellen Zeiten möglich ist.

Onkel Ruedi kommt mir in den Sinn. Der Bruder meiner Mutter sass bei uns immer hinten in der Ecke. Anstatt Rotwein trank er lieber eine Flasche Bier, schaute sich in unserer guten Stube um und sagte fast jedes Jahr: «Wieso macht alle Welt nur so ein Theater um Weihnachten?» Aber er spielte brav mit und erhielt noch eine zweite Flasche Bier.

Theater ist ein gutes Stichwort. Onkel Ruedi zu Ehren habe ich mir ein mögliches Drehbuch für heute und morgen Abend ausgedacht: Wir spielen Weihnachten, als ob nichts wäre. Aufgeführt wird ein Familien-Schwank in drei -Akten in den eigenen vier Wänden. Die auftretenden Personen spielen sich -selber. Ausnahme: Diejenigen, welche nicht dabei sein dürfen, weil überzählig. Diese werden von einer zu bestimmenden Person vertreten, genau so wie jeweils an Silvester beim «Dinner for one».

Drehbuch: 1. Akt: Baum schmücken, dezente Musik («Last Christmas»), freundlicher Smalltalk, Apéritif. 2. Akt: Vorspeise, Hauptgang, freundlicher Smalltalk, Rotwein. 3. Akt: Blockflöten-Familienkonzert, Geschenke, Singen
(Jawoll!), dann Dessert, immer noch freundlicher Smalltalk, Kaffee und Hochprozentiges (zum Desinfizieren!).

Frohe Festtage, bleiben Sie gesund!