Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Liebe Swisscom,

Ihr Unternehmen ist in unserem Dorf seit ein paar Wochen fleissig daran, ein Glasfaserkabel zu verlegen. Es wird unser Dorf mit der Datenautobahn der grossen Welt verbinden. Dafür möchte ich Ihnen danken! Strasse um Strasse wird mit Baggern aufgerissen, Kabel werden in Gräben verlegt. Wir Anwohner fahren in einem vorsichtigen Slalom um Mitarbeitende der Firma Cablex, welche diese Arbeiten für Sie erledigen. Ein paar Tage später sind die Gräben wieder aufgefüllt, alles ist fertig und neu geteert.

Das Glasfaserkabel sorgt für eine ultra-schnelle Verbindung ins Internet, so versprechen Sie in einem Brief, den alle Einwohner unseres Dorfes und benachbarter Dörfer erhalten haben, wo Sie ebenfalls am «glasfasern» sind.

Sie zogen das Kabel (noch) nicht bis in unser Haus, sondern, soviel ich weiss, nur bis zum Verteilerkasten vorne an der Stras-senecke. Liebe Swisscom, vermutlich wissen Sie, dass wir in unserem Quartier noch wie ganz früher Telefonmasten aus Holz und Freileitungen haben.

Früher reichten die dünnen Drähte aus, damit wir telefonieren konnten. Heute hängt bei uns auch das ganze Internet mit dran an den alten, dünnen Drähten der Freileitung. Das so etwas überhaupt funktioniert, finde ich ziemlich beeindruckend. Denn das tut es tatsächlich.

Meistens jedenfalls. Wenn es regnet oder stürmt oder gewittert, blinkt manchmal Ihre weisse Internetbox im Wohnzimmer rot. Dann haben wir kein Internet und können auch nicht telefonieren. So habe ich Sie damals nach dem Sommergewitter mit dem Smartphone angerufen und Sie haben bei uns innert kürzester Zeit die dünnen zwei Drähte ersetzt durch eine neue dickere, gezwirbelte Leitung. Dazu sind zwei Männer mit Steigeisen an den Schuhen die Telefonmasten hoch- und wieder runtergestiegen. Nun läuft das Internet besser.

Ich fasse zusammen: Das Internet rauscht jetzt ultraschnell bis zum Verteilerkasten vorne an der Ecke unseres Quartiers, von dort aus tröpfelt es dann die letzten Meter gemütlich durch die Luft durch Leitungen, die halt nicht ultraschnell sind.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Für mich ist das völlig ok. Sie müssen für mich das Glasfaserkabel nicht bis ins Haus ziehen. Einmal kein Fortschritt, das wäre einer! Es ist ein gutes Gefühl und völlig symphatisch, dass unser Internet immer noch per Freileitung kommt. Aber falls ich trotzdem einmal eine ul-traschnelle Verbindung benötigen sollte, wo am Verteilerkasten kann ich den Laptop einstecken?