Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Mal wieder auswärts essen wäre wunderbar

Früher, als die Welt noch eine andere war – also vor ein paar Monaten – da traf ich meinen Freund Fredy alle zwei Wochen im Restaurant. Diese Zeiten sind vorbei. Wenn wir uns heute sehen wollen, dann machen wir das von zuhause aus per Videokonferenz. Anstelle eines perfekt gezapften Biers steht dann in seinem und meinem Wohnzimmer ein Dosenbier. Zu essen gibts, wenn überhaupt, höchstens eine Tüte Chips.

Unsere Videokonferenz ist irgendwie nicht der richtige Ersatz. Das sorgt von Beginn an für eine eher negative Grundstimmung. Sobald wir uns auf den Laptop-Bildschirmen zugewinkt haben, legt Fredy los: «Findest du nicht auch, dass man die Restaurants wieder öffnen sollte?» Ja unbedingt, stimme ich ihm zu. «Wenn alle Läden zu sind und nur die Lebensmittelgeschäfte offen sein dürfen, dann müssten logischerweise auch alle Beizen offen sein», findet Fredy. Auch hier ginge es doch streng genommen um Lebensmittel. «Damit das Volk nicht verhungert!»

Ob ich noch wüsste, wie schön das früher war bei unseren Treffen, will er wissen. Natürlich, wie wenn es gestern gewesen wäre: Wir sassen meistens in der gleichen Ecke des Restaurants, bestellten ein Feierabendbier, plauderten über das Neuste in unserem Berufsund Privatleben. Irgendwann kam ein «Hüngerchen», wir schnappten uns die Speisekarte, bestellten einen schönen Teller und waren glücklich, als uns dieser serviert wurde.

«Weisst du, wie sehr ich das vermisse!», ächzt Fredy. «Es geht mir doch genauso!», stöhne auch ich. Ein Restaurant sei doch viel mehr als nur ein Ort der reinen Nahrungsaufnahme, kommt Fredy in Fahrt. «Es ist ein Ort, wo man sich trifft, hier wird gestritten, geliebt und gefeiert, hier finden Versammlungen, Hochzeiten, Familienund Trauerfeiern statt. Ein Restaurant ist für die Menschen ein wichtiger Ort der Begegnung, das ist Kulturgut! Also ist es, wie man heute sagt: total systemrelevant! Verstehst du? Sag mir, wie viele Leute sich im Restaurant angesteckt haben – na, wahrscheinlich keine, oder?»

«Warum nur hat man sie geschlossen? », fragt Fredy nach einer Atempause. «Ach Fredy, ich verstehe es doch auch nicht! Mal wieder auswärts essen wäre wunderbar!», seufze ich wehmütig.

«Du schreibst doch für die Zeitung», hebt er den Finger. «Jetzt schreib doch mal folgendes nach Bern: ‹Herr Berset, öffnen Sie die Beizen!›»