Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli – Redaktorin

Manchmal geht es nicht ohne Plastik

Eigentlich sind mein Partner und ich uns einig, wenn es um den Lebensmitteleinkauf geht: Die Produkte sollen aus der Schweiz kommen, es soll Bio sein, auf keinen Fall von Nestlé, keine Plastikverpackung, ohne Palmöl und laktosefrei. Aber eben nur eigentlich. Denn manchmal ist es einfach nicht möglich, allem gerecht zu werden. Regelmässig kommt es bei uns deswegen bereits in der Gemüse-Abteilung zu hitzigen Diskussionen zwischen der Plastikverfechterin und ihrem Bio-über-alles-Freund.

Denn instinktiv greife ich nach den Schweizer-Zucchinis, die ich in ein mitgebrachtes Stoffsäckli packen will. «Halt!», ruft es warnend neben mir. «Die hier sind Bio», weisst mich mein Freund auf die Zucchinis daneben hin. Ich: «Ja, aber die sind in Plastik verpackt». Ich will erneut nach den Non-Plastic-Zuchinis greifen. Er: «Halt! Waren wir uns nicht einig, dass wir Bio kaufen wollten?» Ich: «Waren wir uns nicht einig, wann immer möglich auf Plastik zu verzichten?»

Die Leute im Supermarkt fangen zu starren an, denn es artet, wie immer, in einem Bio-Plastik-Krieg zwischen uns aus. Und, wie immer, siegt Bio schliesslich über Plastikfrei. Das wird demonstriert, indem mein liebster Umweltsünder die Plastik-Bio-Zuchinis in den Einkaufswagen schmeisst: «Manchmal geht es halt nicht ohne Plastik.»

Stinkig über meine Niederlage, sage ich den ganzen Einkauf über gar nichts mehr. Zuhause sollen die Wogen geglättet werden. Er: «Schau ich habe online eine Bio-Bambus-Zahnbürste gefunden. Kein Plastik, 96 Prozent biologisch abbaubar und auch die Verpackung ist 100 Prozent aus Altpapier. Und für jedes gekaufte Produkt wird ein Baum gepflanzt.» Ich, sehr skeptisch über die Herkunft des Bambus und immer noch sauer über den Disput im Supermarkt, sage kalt: «Du machst ja eh, was du willst.»

Ich würde ihn noch um seine Bio-Bambus-Zahnbürste beneiden, so lautete sein letzter Satz, der mich heute noch mit so viel Genugtuung erfüllt. Denn gesagt, bestellt, die Zahnbürste wurde geliefert. Doch was seh ich da einige Tage später: Schätzelein hat sich wieder eine Plastikzahnbürste zugetan. «Mein ganzer Mund wurde wund vom rauen Bambus», erklärt er, nicht fähig mir in die Augen zu sehen. Ich pruste los. Zwar nicht glücklich über den erneuten Sieg von Plastik, dafür sehr wohl über meinen eigenen Triumph, sag ich schadenfreudig: «Tja, Schatz, manchmal geht es halt nicht ohne Plastik.»