Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

Olympia – ein Fest der Kinder?

Sie sorgen für einen Jö-Effekt an den Olympischen Spielen. Gemeint sind die jungen Kinder, die in verschiedenen Sportarten an den Start gehen. Die jüngste Olympiateilnehmerin in Tokio ist gerade mal 12 Jahre alt, also noch ein Kind. Eine der ältesten Teilnehmerinnen ist 46 und könnte gut und gerne ihre Mutter sein.

Für die Olympia-Kinder gilt nicht nur der olympische Gedanke, dabei sein ist alles, sie wollen erfolgreich sein. Und sind es teilweise auch. So gewinnen zwei 13-jährige Mädchen Gold und Silber im Skateboarden, der neusten olympischen Sportart. Das Silbergirl aus Brasilien hat bereits 1,9 Millionen Follower auf Instagram und täglich werden es mehr.

An den zweiten Sommerspielen 1900 in Paris ruderten zwei Holländer zum Olympiasieg – mit einem siebenjährigen Steuermann, den sie kurz vor dem Rennen aus dem Publikum zu sich ins Boot geholt haben sollen. Noch lange Zeit nach diesem Ereignis konnten Kinder an den Wettbewerben teilnehmen, doch die Stimmen der Kritiker wurden immer lauter, bis sie nicht mehr überhört werden konnten. Olympische Spiele sollten keine Kinderspiele sein, das gilt auch heute noch.

Im Frauenkunstturnen wurde erst 1997 die Regel eingeführt, dass die Sportler mindestens 16 Jahre alt sein müssen, um an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Bekannt ist, dass Kinder zwischen 12 und 15 Jahren extrem wachsen, sodass ihnen schlimmste Schäden drohen, wenn sie zu früh Hochleistungssport betreiben. Doch statt sich an die Regeln zu halten, werden immer öfters auch Geburtsscheine gefälscht und das Alter der noch jungen Athletinnen nach oben korrigiert.

In vielen Ländern zählen nur Erfolge, Titel und Medaillen. Der Preis, den die Jungen und ihre Eltern dafür zahlen, ist sehr hoch. Das Internationale Olympische Komitee (IOK) kann Auswüchse nicht verhindern, aber beeinflussen. Diese Verantwortung muss es endlich wahrnehmen. Es soll die Olympiateilnahme für unter 16-Jährige verunmöglichen. Die Erfolge der Olympia-Kids sind ein falsches Zeichen. Sie suggerieren unterlegenen Nationen, ihr Leistungssportkonzept zu überdenken und die Kinder noch früher auf Leistungssport zu trimmen. Das Pendel des Jö-Effekts schlägt so bald in eine andere Richtung und das kann nicht das Ziel sein.