Gedanken

Markus Schenk | Gedanken | Der Landanzeiger
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Markus Schenk, Chefredaktor

Preisbewusstes Einkaufen ist kein Geiz!

Werden wir Schweizer tatsächlich immer geiziger? Eine neue Studie zeigt, dass wir immer preisbewusster einkaufen. 58 Prozent achten gemäss dieser Studie bei Lebensmitteln stark auf Sonderangebote. Prompt interpretierte das ein Medium mit dem reisserischen Titel  «Geiz ist geil!».

Ich frage mich, was preisbewusstes Einkaufen mit Geiz zu tun hat? Wohl kaum etwas. Viele Zeitgenossen sehen sich gezwungen, auf Aktionen zu achten. Das ist doch legitim! Jedes Kind weiss, dass diese Aktionen gemacht werden, um Kunden in den Laden zu locken. 

Wenn wir die Werbung unserer zwei Schweizer Grossverteilerriesen genauer betrachten, sind es oft gar gleiche oder ähnliche Aktionen, die diese anbieten. Es ist auch nicht so, dass nur die Grossen Sonderangebote und Aktionen anbieten. Das wird auch von sogenannt Kleinen gemacht, wenn auch in bescheidenerem Rahmen.

Selbst der Landanzeiger macht in werbearmer Zeit Inserataktionen. Das Überangebot an Lebensmitteln in der Schweiz führt eben dazu, dass diese günstiger angeboten werden. Davon können wir alle profitieren. Nochmals: Mit Geiz hat das gar nichts zu tun. Ich finde es auch sehr positiv, wenn Geschäfte ihre Ware kurz vor dem Ablaufdatum herunterschreiben. Das ist doch allemal besser als diese wegzuwerfen. 

Preisbewusst kann man übrigens auch dann einkaufen, wenn man direkt unsere Landwirte und Gemüsebauern berücksichtigen. Dann fallen die teuren Infrastrukturkosten weg und man weiss zudem, woher die Ware kommt und unterstützt direkt die Produzenten.

Den Leitsatz «Geiz ist geil» oder «ich bin doch nicht blöd» haben deutsche Unternehmen einst als Slogan für die Lancierung in der Schweiz verwendet. Inzwischen hört man diese nicht mehr, denn es ist wenig schmeichelhaft, wenn Kunden als Geizhälse und Dummköpfe bezeichnet werden. Ich finde es gut, wenn hierzulande alle etwas Gesundes zu essen haben. In Zürich lassen sich abgelaufene Lebensmittel gar an einem speziellen Stützpunkt gratis beziehen. Diese Möglichkeit wird von armen Leuten rege benützt und das ist doch gut so. 

Weniger sinnvoll ist es hingegen, wenn kurz nach der Lancierung der neuen Sommermode einige Geschäfte schon wieder einen Ausverkauf veranstalten. Früher waren die Zeitpunkte der Ausverkäufe genau geregelt. Da ist eine Verwilderung festzustellen und letztlich beisst sich die Katze selbst in den Schwanz, denn das ist ein Teufelskreis. Schliesslich bleibt nichts anderes übrig, als das Geschäft zu schliessen. Beispiele in der Modebranche gibt es dazu genug.