Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Runterfahren

Einfach mal den Stecker herausziehen und vom Netz gehen. Nicht beim Computer, sondern bei mir selber. Das wäre schön. Mal Pause machen von dem ganzen Wahnsinn und Stress. Nach über einem Jahr Pandemie bin ich müde und dünnhäutig geworden. Ich mag keine aktuellen Abstimmungs- und auch keine Corona-Diskussionen mehr führen müssen, wo sich in kürzester Zeit alle gehässig angifteln. Nichts mehr will ich hören über Impftermine oder Maskenpflicht – Schluss damit, Ende der Diskussion. Still ruht der See.

Kennen Sie die drei Affen: einer hält sich die Augen zu, der zweite die Ohren und der dritte den Mund? Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Momentan ist mir sehr danach. Mir fallen die Worte von Wiglaf Droste wieder ein, von seiner Lesung vor Jahren im Aarauer KiFF: Welt, Du bist aus einem Guss, Glück ist, wenn man nichts mehr muss.

Eigentlich war es nichts Grosses, das mir schlussendlich den «Gong» gegeben hat. Es war eher ein Tröpfchen, welches bei mir das Fass zum Überlaufen brachte: Ich wollte mich mal wieder mit meinem Freund Günther treffen. Er lebt in Salzburg, wir treffen uns etwa zweimal im Jahr «in der Mitte», zum Beispiel in Bregenz am Bodensee, auf österreichischem Gebiet. Für ihn grad noch Inland, für mich ein paar Meter im Ausland. Das ist ein Problem.

Im Internet habe ich versucht herauszufinden, was es braucht für diesen kurzen Tagestrip: Aktuelle Reisebestimmungen, wann muss ich welchen Test machen und wie viel kostet das? Die Internetsuche erbrachte keine schlüssigen Antworten. Nach einer ermüdenden Stunde warf ich entnervt die Flinte ins Korn.
Sorry, Günther, schrieb ich ihm, es ist zu kompliziert, ich schaff das nicht. Er schrieb zurück, es sei doch ganz einfach: Testen und losfahren! Ist es nicht! Doch! Nun haben wir den Salat.

Während ich noch darüber nachdenke, meldet sich der Laptop: er hat fast keinen Strom mehr. Bei ihm läufts wohl umgekehrt: Stecker rein! Das gibt ihm Energie und Power. Ja was nun, frage ich mich: Stecker raus oder Stecker rein fürs Aufladen? Und wieso erteilt mir neuerdings mein Laptop altkluge Lebensweisheiten, für die wäre ich doch eigentlich zuständig? Entschieden klopfe ich auf den Bürotisch, verbinde den Laptop mit dem Stromkabel und fahre ihn und mich ganz sachte herunter.