Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

«Schau mir in die Augen, Kleines»

Für das Jahr 2020 habe ich mir viel vorgenommen: 53 Vorsätze, um es ganz genau zu nehmen. Für jede Woche in diesem Jahr einen neuen. Den ersten haben ich schon umgesetzt: Mehr Sport. Das Jahr startete unsere Familie mit einer mehrstündigen Schneeschuhtour. Wunderbar wars in der Mythenregion. Auch die Kinder hatten ihren Spass. Im Anschluss setzte ich auch gleich den zweiten Vorsatz um: Mehr Erholung.

Im 2020 möchte ich aber auch wieder mutiger werden und den Leuten ins Gesicht sagen, wenn mir was nicht passt. Hart im Ton, aber fair in der Sache. Dasselbe muss ich aber auch von meinem Gegenüber annehmen. Nicht immer einfach, ich weiss, auch für mich.

Im Strassenverkehr sehe ich auch noch Verbesserungspotenzial. Auch auf der rechten Spur der Autobahn kommt man ans Ziel und zwar nicht viel langsamer, aber nervenschonender. Das habe ich in den ersten Tagen des neuen Jahres nun mehrfach getestet. Es funktioniert. Bei jedem Richtungswechsel, den Blinker zu stellen, ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Pflicht. Und hätte der liebe Gott gewollt, dass wir während dem Autofahren am Handy hängen und gleichzeitig auch noch essen und trinken, so hätte er uns bestimmt vier oder mehr Arme gemacht.

«Schau mir in die Augen, Kleines», sagt Humphrey Bogart im Filmklassiker «Casablanca» immer wieder zu Ingrid Bergman. Ob er da an die Situationen am Fussgängerstreifen gedacht hat, bezweifle ich. Doch gerade dort wäre es sehr wertvoll, den andern Verkehrsteilnehmern in die Augen zu schauen und nicht stur auf seinem vermeintlichen Vortrittsrecht zu beharren. Das gilt für Fussgänger, wie auch für Fahrzeuglenker. Auch in diesem Bereich habe ich mir fürs 2020 vorgenommen, öfters anzuhalten oder stehen zu bleiben und dem Gegenüber ein Lächeln und den Vortritt zu schenken.

In den kommenden 12 Monaten sind wir aufgefordert, wieder mehr selber zu denken. Nicht jedem Hype nachzurennen und jede (Fake)News zu glauben. Die Wahrheit ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Umso wichtiger ist es, sich Zeit für einen zweiten Blick zu nehmen und den Wahrheitsgehalt vertiefter zu prüfen. Vor allem dann, wenn man gedenkt, das Gehörte oder das Gesehene selbst weiter zu erzählen.

Hoffen wir, dass die Wahrheit wieder mehr auf Händen getragen und weniger mit den Füssen getreten wird.