Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli, Redaktorin

Schluss mit der Schubladensteckerei

Ich wurde schon sehr unhöflich weggeschickt, weil ich an der falschen Ecke des Bahnhofs stand, wurde schon zusammengestaucht, weil ich mein Bahnbillet anstatt über Lenzburg über Aarau nach Oberentfelden gelöst habe, ich wurde schon blöd angemacht, weil ich einfach nur fragen wollte, wann denn der Nachtbus abfahre. Ich musste mir schon vieles anhören, respektloses Verhalten erdulden. Aber womit habe ich das verdient? Habt ihr zu viele schlechte Erfahrungen mit Meinesgleichen gemacht?
Auch wenn, gibt es keinen Grund, alle in ein und dieselbe Schublade zu stecken. Ein bisschen Respekt darf von allen verlangt werden. Vor allem, sollte man auch immer die Auswirkungen bedenken. Denn in diesen Momenten der Unhöflichkeit und Respektlosigkeit ärgere ich mich nicht über diesen einen Busfahrer, nicht über diesen einen Billetkontrolleur, nicht über diesen einen Polizisten, sondern über SBB, BBA oder die Polizei im Allgemeinen. Und Sie sehen, ich bin auch nicht besser und stecke sie alle, wegen einem einzigen schlechten Erlebnis in eine Schublade.

Ich kenne aber auch diese andere Seite. Schreibe ich etwas Falsches oder vergesse etwas zu erwähnen, bin nicht ich die «Böse», sondern der Landanzeiger oder gar einfach die Presse. Man verbindet die Firma mit den Menschen, die für sie arbeiten.

Doch eigentlich will ich mich weder aufregen noch rechtfertigen. Ich will einem ganz bestimmten Mann ein Lob aussprechen. Dieser Mann ist Billettkontrolleur und ich begegne ihm regelmässig im Bus. Ich kenne nicht mal seinen Namen. Längere Haare, Dreitagebart und fällt vor allem durch seine immer fröhliche Art auf. Mit einem Lächeln im Gesicht wünscht er jedem einzelnen einen guten Tag, er zeigt Verständnis, wenn man sein Billet, aus welchem Grund auch immer, nicht dabei hat und wenn er, kurz vor Abfahrt, jemanden auf den Bus zueilen sieht, drückt er noch den Kopf für die Tür. Die Stimmung im Bus ist immer heiter, wenn er mitfährt, sogar wenn man keinen gültigen Fahrausweis in der Tasche hat.

Noch nie habe ich erlebt, dass er jemandem unhöflich oder mit Vorurteilen begegnet – im Gegenteil. Deswegen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön, an «meinen Billettkontrolleur», der uns täglich zeigt: So geht es auch. Nehmen wir uns doch alle ein Beispiel an ihm. Sympathie, Respekt, Fröhlichkeit gegenüber allen und nicht sofort in eine Schublade stecken, wenn man mal ein negatives Erlebnis hat.