Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli – Redaktorin

Um Mitternacht

«Ich bin so froh, dass ich dich getroffen habe» – eine Aussage, die zu vielen Situationen passen würde. Ich stelle mir Situationen mit der besten Freundin oder dem Partner vor. Nicht aber ein Aufeinandertreffen von zwei Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen haben und sich im Moment der Aussage ebenfalls nicht sehen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich diesen Satz einmal um Mitternacht mitten im Wald zu hören bekomme. So ist es aber passiert.

Aber von vorne: Ich bin jemand, der ganz gerne am Wochenende ausschläft. Ich bin aber auch jemand, der einen Hund hat, der morgens raus muss. Um trotzdem ausschlafen zu können, gehe ich spät abends gerne noch mal mit ihm Gassi. Die Route ist dabei immer dieselbe. Und so verläuft ein Stück der Strecke durch den Telli- Wald. Es kann noch so finster sein, den Weg kenne ich in- und auswendig. Manchmal raschelt es am Wegrand, auch daran habe ich mich gewöhnt.

Dass das aber nicht für alle ein absolut alltäglicher Weg ist, ist klar. Nur äusserst selten begegne ich jemandem bei diesen Nachtspaziergängen. Am Wochenende aber, es war kurz vor Mitternacht, sah ich zwei Veloscheinwerfer hinter mir näher kommen. «Ist da vorne ein Tier?», fragte eine Frauenstimme. «Nein, ich bin es. Aber ich hab ein Tier dabei», beruhigte ich die beiden. Sie überholten mich, dann hielt die Frau ein paar Meter vor mir an. Weder sie noch ich konnten voneinander die Gesichter erkennen, trotzdem verwickelte sie mich in ein Gespräch: «Gibt es hier Biber?» Ja, sag ich, zwar nicht gleich hier, aber beim Sengelbach hätte ich letzte Woche einen beobachten können. «Ich wohne nun schon ein Jahr in Rohr und habe noch nie einen Biber gesehen», sagt sie und bedankt sich herzlich für meinen Tipp. «Ich bin so froh, dass ich dich getroffen habe», sagt sie in die Dunkelheit hinaus, bevor sie und ihr Begleiter ihren Weg fortsetzen. «Gehen wir an den Sengelbach?», hör ich sie noch ihren Begleiter fragen.

Ja, bei uns in der Aarauer Telli gibt es eben noch viel mehr zu beobachten als die Schwäne mit ihren Jungen. Eine Suche nach dem Biber kann ich jedem empfehlen. Seine Spuren entdeckt man überall. Und mit etwas Glück steht er plötzlich ein paar Meter von einem entfernt und schmatzt, von dir unbeeindruckt, saftige Gräser. Und noch ein Tipp meinerseits: Mitternacht muss es dabei überhaupt nicht sein, die Chance, ihn zu sehen, ist bei Abenddämmerung genauso gross.