Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli – Redaktorin

Und ich dachte, es sei Samstag

Wann merken Sie, dass Sie so richtig entspannt sind? Wenn Sie vor dem Fernseher einnicken? Wenn Sie an einem heissen Tag im Schatten sitzen und einen Drink schlürfen? Oder wenn Sie einfach einmal nichts tun und an nichts denken? Wenn ich so richtig entspannt bin, verliere ich komplett den Überblick über die Zeit. Und in den letzten paar Wochen war ich sowas von entspannt. Sowas gabs schon lange nicht mehr! Morgen oder Abend, der Wochentag oder das Datum – alles verschwommen, es spielte keine Rolle mehr und ich hatte richtig Ferien im Kopf.

Ich musste aber merken, dass es auch ungünstige Momente gibt, um diese totale Entspannung zu erreichen. So zum Beispiel wenn man eine Ferienwohnung gebucht hat und dort den Überblick über die Zeit verliert. Sie ahnen es, genau das ist mir passiert. Ich war der festen Überzeugung, ich hätte mich vom Dienstag, 4. August bis am Samstag, 7. August in Grächen eingemietet. Nach dem Auschecken am Samstag würde ich mich in Kandersteg mit einem Kollegen treffen. Nun ja, so war jedenfalls der Plan. Auf jeden Fall mache ich mich deswegen an diesem Freitagmorgen bereit für die letzte Wanderung in Grächen. Ich streiche gerade Brote und packe meinen Rucksack, als sich eben dieser Kollege meldet. Er verspäte sich und könne erst in einer halben Stunde losfahren, schreibt er mir. Ich bin verwirrt. Heute ist doch erst Freitag. Wir haben uns doch für den darauffolgenden 7. August verabredet. Der Blick auf den heutigen Wochentag und das Datum treiben mir Schweissperlen auf die Stirn. Ja, wir haben uns für den 7. August verabredet, nur ist das nicht der Samstag sondern der heutige Freitag. Schnell checke ich meine Buchung. Und auch da: gebucht bis FREITAG, 7. August. Ich klatsche mir mit der Hand an die schweissnasse Stirn. Und ich Dummerchen dachte tatsächlich es sei bis Samstag.

Als ich eilig mein Zimmer räume, male ich mir aus, was hätte geschehen können. Ich käme abends erschöpft in meine Ferienwohnung zurück und die wäre schon von anderen besetzt. Was hätte ich da sagen sollen? Sorry, ich war zu entspannt, um mir den Wochentag zu merken? Oder ‘tschuldigung, ich dachte, der 7. August sei Samstag? Bei dieser absurden Entschuldigung muss ich lauthals loslachen. «Ich dachte, es sei Samstag» war damals nämlich meine beliebteste Ausrede, um meinen Lehrern zu erklären, warum ich nicht in der Schule aufgetaucht bin. Nein, das würde heute wohl kaum noch klappen. So packe ich meine Sachen fertig und mache mich etwas weniger entspannt an einem Freitag anstelle von einem Samstag auf den Weg nach Kandersteg.