Gedanken

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Raphael Nadler, Chefredaktor

Verlustangst ist wohl noch zu gross

Im Suhrental bleibt alles beim Alten. Die politischen Vertretungen aus Hirschthal, Kirchleerau, Moosleerau, Reitnau, Schöftland, Staffelbach und Wiliberg haben entschieden: Es gibt keine Grossfusion. Das Projekt erscheint ihnen «als nicht realistisch». Die Stimmberechtigten wurden nicht befragt. Der Grund scheint klar: Das Volk hängt zu sehr an den einzelnen Gemeinden. Die Verlustangst der «Heimat» wird grösser eingeschätzt als der Leidensdruck auf den eigenen Verwaltungen.

Hört man sich aber in den Gemeinden um – nicht nur im Suhrental –, so beklagen auch sie sich über Fachkräftemangel. Die Liste der gesuchten Spezialisten auf der Internetseite der «Fachverbände der Aargauer Gemeinden» hat eine beachtliche Länge – und umfasst auch zahlreiche Annoncen aus der Region. Beim Bauverwalterverband Aargau (ABV) schrillen die Alarmglocken: Im Planungsbereich fehlen Fachleute – sowohl für die Gemeinden, den Kanton als auch für die privaten Büros.

Die Rekrutierung von Verwaltungspersonal ist für kleinere und mittelgrosse Gemeinden das eine, jene von Behördenmitgliedern das andere. Die Gründe? Neben Beruf und Familie bleibt kaum mehr Freizeit. Die Bereitschaft des Einzelnen, sich für die Gemeinschaft einzusetzen, nimmt ab und der ehren- oder nebenamtliche Einsatz für das Gemeinwohl ist mit immer weniger Ansehen verbunden. Auf der andern Seite steigt die Belastung im Beruf und im politischen Amt stetig an. Zu einer immer grösseren Belastung wird die Aufgabenteilung zwischen Bund, Kanton und Gemeinden. In ihrem Rahmen werden Vollzugsaufgaben zum Hauptauftrag der Gemeinden. Die Gemeindeautonomie beschränkt sich immer mehr auf die Ausführung von Bundes- und Kantonsaufträgen. Das gilt speziell für den Umwelt- und Naturschutz, Bau und Planung. Hier ist der Vollzug brisanter als die Gesetzgebungsarbeit auf Bundes- oder Kantonsebene.

Immer mehr Gemeinden sehen einen Ausweg in Fusionen, welche ihnen personell gut dotierte Verwaltungen und ein vollamtliches Gemeindepräsidium ermöglichen. So haben sich per 1. Januar nicht weniger als acht Gemeinden im Norden des Aargaus zusammengeschlossen. Und vor wenigen Tagen haben sechs Gemeinden aus den Bezirken Baden und Zurzach verlauten lassen, dass sie eine Fusion prüfen. Ob sie wohl anders entscheiden als das Suhrental?