Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Vögel bekommen und wieder loswerden

Er bekomme jetzt dann bald Vögel, beklagt sich mein Freund Freddy mit rotem Kopf. Er hat angerufen. Es klang nach einem Hilferuf. Freddy ist im Normalfall die coolste Socke, die ich kenne. Jetzt sitzen wir im Ochsen beim Bier. «Du siehst schitter aus, ist etwas passiert?», starte ich nicht eben einfühlsam.

«Was ist denn los?», nehme ich einen neuen Anlauf. Er sei mit den Nerven am Ende, sagt er und blickt mir müde und unsicher in die Augen. «Es ist einfach alles zuviel», sprudelt es nun aus ihm heraus. «Alles! Dieses Corona macht mich fertig, obwohl wir es nicht haben, es ist trotzdem immer da – und es sorgt bei mir für einen permanenten Stresspegel! Es macht mich dünnhäutig! Kommt da noch der Hochnebel dazu, wie heute morgen, dann ist das der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt!»

Er hat sich in Schwung geredet. Eigentlich ginge es gar nicht um Corona, erzählt er nun ganz leise: «Ehrlich gesagt, dass wir jetzt Eltern sind, überfordert uns an manchen Tagen. Und kaum ist alles wieder gut, kommt schon das nächste: im Geschäft stellen sie jetzt alles auf den Kopf. Nun wurde bekannt, dass unsere Abteilung von Bern nach Zürich umziehen muss. Ich kann nicht mehr!»

Das sei sicher nicht einfach, sage ich verständnisvoll. «Schau es mal von einer anderen Seite her an: Du kannst froh sein, dass du überhaupt einen Job hast, dann hast Du genau den Job, den du dir immer gewünscht hast, egal ob in Bern oder Zürich. Corona hat euch bisher verschont und hey: Seid froh, dass ihr einen gesunden Sohn habt!»

«Das stimmt», gesteht Freddy. Er hält kurz inne, schaut mich an mit klarem Blick, strafft den Rücken und sagt: «Und dennoch, Corona, unser Sohn, der Job – das stresst mich manchmal alles sehr!» In seinem zaghaften Lächeln erkenne ich den alten Freddy wieder. «Sorry, vorhin ist alles gleichzeitig über mich hereingebrochen und das hat mich umgehauen.»

Dass er sich gemeldet habe, sei genau richtig gewesen, nicke ich. Dafür sind Freunde schliesslich da. Ob ich ihm trotzdem etwas helfen konnte? Freddy nickt und ergänzt: «aber das nächste Mal gehen wir in den Frohsinn, das tönt ein bisschen mehr nach Lebensfreude.» Ach, er ist schon fast wieder der Alte!

Nach einer Pause fragt er, wie es mir ginge. «Danke, ich kann nicht klagen!», antworte ich. «Obwohl – manchmal geht es mir ähnlich wie dir. Kümmerst du dich dann bitte auch um meine Vögel?»