Gedanken

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger
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Kaspar Flückiger, Redaktor

Vom Händeschütteln auf dem Land

Kennen Sie das auch: Sie treffen jemanden, den Sie gut mögen und den Sie vielleicht schon längere Zeit nicht mehr gesehen haben. Echt erfreut und mit einem strahlenden Lächeln, das vom Gegenüber ebenso freudig erwidert wird, gehen Sie auf diese Person zu, begrüssen sich mit einem kräftigen Händeschütteln – bis Sie beide merken: Hoppla! Ganz vergessen: Corona! Händeschütteln ist in diesen Zeiten nicht angesagt.

Was nun? Mir ist es vor ein paar Tagen passiert. Wieder passiert, muss ich gestehen. Also, was nun: Weiterschütteln oder abbrechen? Bei uns war es so, dass wir es beide gleichzeitig gemerkt hatten. Wir brachen das Händeschütteln mitten in der Bewegung ab, schauten uns etwas verdutzt an, liessen los, mussten nach einem kurzen Moment beide lachen, dann winkten wir ab und fingen nochmals von vorne an mit Händeschütteln. Corona hatten wir in diesem Moment beide für einen Moment ganz bewusst beiseite geschoben.

«Wir sind ja hier auf dem Land», versuchte uns mein Gegenüber aus der Affäre zu ziehen. Corona gäbe es ja fast nur noch in den grossen Städten, behauptete er. Ob dies auch tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen.

Etwas ähnliches erlebte ich vor ein paar Wochen: Im Dorf war ich an einen Anlass eingeladen, wo sich alle nicht etwa per Ellbogen oder Faust begrüssten, sondern die «wie früher» die Hand schüttelten und die Frauen sogar mit den drei Küsschen begrüsst wurden. Da wurde mir ehrlich gesagt ein bisschen mulmig.

Natürlich haben wir alle dieses Corona längst satt. Ein bisschen Normalität tut gut. Ich weiss nicht, wie es in der Stadt läuft, aber offenbar werden wir hier auf dem Land immer mehr zu Corona-Verdrängern.

Ein bisschen verdrängen tut gut, das wusste schon Sigmund Freud. Das ist der Mann, der die Psychoanalyse erfunden hat und nebenbei auch die «Freudschen Versprecher». Das ist, wenn Silben und Laute ihren Platz wechseln und es so zu ungewollten Wort- und Satz-Neuschöpfungen kommt wie «Reinen Tisch einschenken », oder «Eine Krähe wäscht die andere», oder «ins Grab beissen» – ja, bei Freudschen Versprechern kommt oft «Peinliches zum Vorschwein».

Aber ich bin abgeschweift vom eigentlichen Thema. Im Sinne einer Entschuldigung rufe ich Ihnen auf gut Freudsch zu: «mein Geist war willig, doch mein Fleisch war flach.»