Gedanken

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Kaspar Flückiger, Redaktor

Von «Day» zu «Day»

Irgendwann letzte Woche habe ich den Überblick verloren. Kein Wunder bei all den Angeboten. Black Friday, Cyber Monday, Singles Day – ein «Day» folgt in der Vorweihnachtszeit dem nächsten «Day». Es nerve langsam, schrieb auch schon eine Zeitung.

Normalerweise mache ich einen grossen Bogen um diese Verkaufs-Events. Mir hat es dort zu viele Leute. Eine gute Bekannte, die etwas abgelegen im oberen Suhrental wohnt und eher selten in der Stadt ist, war unbeabsichtigt dort und beschreibt es mir folgendermassen: Sie brauchte dringend warme Socken. Also fuhr sie in einen Outlet-Store in der Nähe von Aarau, und wurde von der Black Friday-Week überrascht. Der ganze Laden schwarz dekoriert. Sie fand das völlig super, weil schwarz ihre Lieblingsfarbe ist, wie man unschwer an ihrem Kleidungsstil erkennt. Aber dann kommts: Sie erhielt dort ihre Socken für den Winter mit satten 40 Prozent Rabatt. Das freute sie natürlich sehr. Aber nur kurz, dann kippte bei ihr die Stimmung. Weil ihr ein Licht aufging: «Das heisst doch, dass man normalerweise viel zu viel bezahlt für die Ware, die müssen ja das Jahr durch eine Wahnsinns-Gewinnmarge haben!», schimpft sie noch Tage später.

Die Sache beschäftigt mich. Ich schlafe schlecht und träume von chaotischen Zuständen beim shoppen. Im Traum muss ich am Socken-Wühltisch mit Händen und Füssen um das Zehnerpack schwarzer Socken für nur 1 Franken kämpfen. Mit zerfetzten Kleidern und blutigem Gesicht wanke ich aus dem Geschäft und lege mich gleich ein paar Meter nebenan in die Rabatten – um zu schlafen. Die Schlacht um die fettesten Rabatte endete in meinem Albtraum blutig in den Rabatten.

Am nächsten Morgen lese ich in der Zeitung, dass die «Days» shoppingtechnisch bloss das Aufwärmen seien für das darauffolgende Weihnachtsgeschäft. Es begann am 11.11. mit dem «Singles Day», der seinen Ursprung in den 1990er-Jahren in Asien hat. Morgen folgt der «Black Friday», den es in der Schweiz erst seit 2015 gibt und der heute schon der wichtigste Einkaufstag für die Branche sei. Obwohl auch hier der Trend wieder leicht zurückginge, so lese ich. Es scheint, dass sich bereits viele wieder davon abwenden. Vielleicht liegt dies auch an der Farbe. Schwarz ist in der dunklen Vorweihnachtszeit vielleicht nicht gerade dazu angetan, unsere Lebensfreude positiv zu beeinflussen. Da ist mir persönlich ein lichter- und farbenfroher Weihnachtsmarkt lieber.