Gedanken

Sarah Künzli Redaktorin | Der Landanzeiger
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Sarah Künzli – Redaktorin

Wann ist man eigentlich erwachsen?

In meinem Alter (in vier Monaten werde ich dreissig) befindet man sich irgendwie in einer Zwischenphase. Ich gehöre bestimmt nicht mehr zur Jugend, wirklich erwachsen fühle ich mich aber auch nicht. Ich verdiene mein eigenes Geld, kann für mich selbst und meinen Hund sorgen, zahle Miete und Steuern. Alles was Erwachsene eben so tun. Und trotzdem bleibe ich gerne bis morgens um drei Uhr auf, schlafe dafür dann aber bis mittags um zwölf. Ich kann auch gut mal einen Tag nur mit Computerspielen verbringen und mich einfach der Unvernunft hingeben. Was halt Jugendliche so tun.

Die Entwicklungspsychologie beschreibt mit dem Erwachsenenalter den Altersabschnitt ab dem 19. bis zum 80. Lebensjahr. Dabei wird das Erwachsenenalter unterteilt in ein frühes (18 bis 35), mittleres (35 bis 65) und höheres (65 bis 80) Erwachsenenalter. Im Internet habe ich auch diese Beschreibung von Erwachsensein gefunden: «Allgemein geht man davon aus, dass der Erwachsene jene notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse erworben hat, die ihn befähigen, die für sein Leben und Fortkommen notwendigen Entscheidungen selbständig und eigenverantwortlich zu treffen.» Per Definition bin ich also so was von erwachsen. Aber kommt irgendwann auch das dazugehörige Gefühl? Das Gefühl, erwachsen zu sein?

Ja, es kommt. Und zwar dann, wenn man mit einem Pack Bier im Coop Pronto steht und die Kassiererin dich auffordert: «Darf ich bitte den Ausweis sehen?» Unter der Maske konnte die Angestellte nicht sehen, wie mein Kinnladen fällt. «Ernsthaft?», frag ich verdutzt. In diesem Moment bin ich so überzeugt davon, eine Erwachsene zu sein. Hat sie wirklich das Gefühl, dass ich noch keine 18 bin!? Genervtes Stöhnen. Trotzig strecke ich ihr meinen Ausweis entgegen. Ganz kindisches Verhalten meinerseits. Schliesslich macht sie ja auch nur ihren Job. Als ich realisiere, wie ich mich gerade verhalten habe, verschwindet das Gefühl, erwachsen zu sein, sofort wieder. Und ich bin wieder in der Zwischenphase gefangen. Weder Jugend noch erwachsen.