Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

«Warte, luege, lose, laufe, länger läbe»

Erinnern Sie sich noch, wann und wo Sie den Spruch «Warte, luege, lose, laufe …» erstmals gehört haben? Bei mir wars im Kindergarten. Dorfpolizist Wachtmeister Max Röthlisberger kam persönlich bei uns vorbei und lernte uns, die Strasse richtig zu überqueren, die Gefahren zu erkennen und den nächsten Fussgängerstreifen zu benutzen. Zugegeben, das ist nun schon eine Weile her.

Aber an Aktualität hat «Warte, luege, lose, laufe …» nichts eingebüsst. Noch immer gibt es Strassen, Fahrzeuge, Fussgängerstreifen und gefährliche Situationen. Und zwar je länger, je mehr. Pro Jahr gibt es laut Beratungsstelle für Unfallverhütung im Strassenverkehr (Autos, Fussgänger und Velos zusammengerechnet) rund 1050 Schwerverletzte auf Grund von Ablenkung und Unaufmerksamkeit. 600 Unfälle mit Schwerverletzten gehen auf das Konto von Fussgängerinnen. Und jede Woche stirbt in der Schweiz ein Fussgänger an den Folgen eines Unfalls.

Auffällig ist, dass sich rund ein Drittel der tödlichen Unfälle und mehr als 40 Prozent der Unfälle mit Schwerverletzten auf einem Fussgängerstreifen ereignen – einem vermeintlich sicheren Ort. Das hat damit zu tun, dass dort besonders viele Menschen die Strasse überqueren. Und dass immer mehr Menschen abgelenkt sind oder sich ablenken lassen. Oft durch ihr Handy.

Eine Erhebung im Auftrag der Allianz Versicherungen zeigt: 63 Prozent der Handy-Besitzerinnen telefonieren beim Gehen, 47 Prozent nutzen Geräte auch beim Überqueren der Strasse, 38 Prozent schreiben beim Gehen Nachrichten, 33 Prozent lesen Texte oder schauen Bilder und Videos an. 31 Prozent der Handynutzer*innen hören Musik unterwegs, 56 Prozent von ihnen mit Kopfhörern, 84 Prozent davon mit beidseitigen Ohrstöpseln. Das Strassenverkehrsgesetz sagt: Kopfhörer im Strassenverkehr sind nicht grundsätzlich verboten. Erlaubt allerdings nur bis zu dem Moment, in dem etwas passiert. Doch dann ist es oft schon zu spät.

Neue Gesetze und Verbote bringen aus meiner Sicht wenig. Wichtiger wäre, Verkehrsteilnehmer und Fussgänger würden wieder vermehrt den Augenkontakt zueinander suchen. Denn was war schon im Kindergarten das Ziel unserer Verkehrserziehungslektion? Richtig, «länger läbe»!