Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Raphael Nadler, Chefredaktor

Wen wollen Sie auf den Mond schiessen?

Ist es der neue Schweizer Fussball-Nationaltrainer? Oder sein Vorgänger? Ist es Ihr Nachbar, Ihre Schwiegermutter oder gar Ihr Vorgesetzter? Bei Corona müssen wir nicht diskutieren, das wollen wir alle möglichst schnell loswerden. Doch zurück zu dem, was umsetzbar ist. Jeder von uns kennt Menschen, die er gerne weit weg befördern würde. Doch warum gerade auf oder hinter den Mond? Ganz einfach, weil das früher als ganz weit weg galt. Genau genommen 384’400 km weit oder über 1000 Mal die Distanz Romanshorn–Genf.

Ins All geschossen zu werden, oder gar auf den Mond, ist gar nicht mehr so speziell, wie uns die Multimilliardäre Elon Musk (Tesla), Richard Branson (Virgin) und Jeff Bezos (Amazon) eindrücklich und medial wirksam gezeigt haben. Die reichen Männer haben nach ihrer Rückkehr auf die Erde allen, die es hören wollten – und auch denen, die es nicht hören wollten –, klar gemacht, dass sie die öffentliche Raumfahrt weiter vorantreiben werden.

Die Orbital Assembly Corporation, ein Raumfahrtunternehmen, das sich aus NASA-Veteranen zusammensetzt, will in Kürze mit dem Bau des ersten Weltraumhotels beginnen. Das Hotel soll dann ab 2027 für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Kein Witz: Das Unternehmen nimmt bereits Reservierungen für das Hotel entgegen. Ein dreitägiger Aufenthalt wird allerdings rund 5 Millionen US-Dollar kosten. Etwas viel Geld für Otto Normalverbraucher und vor allem war es ja nicht «die Idee des Erfinders», dass diese Person dann auch wieder zurückkommt …

Böse Zungen wollen aber den wahren Grund für die Weltraum-Abenteuer der Multimilliardäre erkannt haben: Sie halten sich gerne im All auf, weil sie dort keine Steuern bezahlen müssen. Aus juristischer und fiskaler Sicht sind die Männer im Recht: Da das Weltall völkerrechtlich keinem Staat der Welt zugehörig ist, kann es als gigantisches Steuerparadies angesehen werden.

Leider kann auch niemand die Träume der Superreichen stoppen. Denn aus demselben Grund bremst sie auch niemand bei ihren gigantischen Umweltsünden, die sie mit ihren Aufenthalten im Weltall verursachen. Für diese sollte man sie wieder vom Mond herunterholen und auf der Erde zur Rechenschaft ziehen.