Gedanken

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Kaspar Flückiger, Redaktor

… wenn man trotzdem lacht

Lachen sei die beste Medizin, so heisst es. Dies verkündete einst sogar ein Bundesrat: «Rire c’est bon pour la santé.» Weil er dies jedoch so todernst in die Kamera sprach, mussten wir alle lachen. Tagelang klopfte sich das Volk vergnügt auf die Schenkel. Ja, damals hatten wir noch Grund zum Lachen. Und heute? Eher schwierig. Was gibt es zu lachen in diesen Zeiten? Und: darf man überhaupt?

Genau diese Frage wurde vor ein paar Wochen auch dem Direktor des Arosa Humorfestivals gestellt. Frank Baumann antwortete, dass es genau dann wichtig sei zu lachen, wenn es nichts zu lachen gäbe, und fügte an: «Humor ist eine ernste Sache.» Der britische Komiker John Cleese von Monty Python sagte es so: «Das Wunderbare an echtem Lachen ist, dass es einfach jede Art von System zerstört, das Menschen trennt.»

Bloss, das mit dem Humor ist so eine Sache, genauer gesagt eine Geschmacksache. Nicht alle finden diesen oder jenen Komiker lustig. Mario Barth oder Dieter Nuhr? Peach Weber oder Emil? Nicht alle lachen bei diesem oder jenem Witz und nicht alle sind empfänglich für feinen englischen Humor oder für einen deftigen Schenkelklopfer-Bauernschwank des Dorftheaters.

Wo ich immer lachen muss, wirklich immer und jedes Jahr von neuem, ist bei «Dinner for one». Vielleicht, weil der alte Sketch von anno dazumal in Schwarz-Weiss immer am Silvesterabend läuft. Am letzten Tag des Jahres wird hierzulande viel gelacht. Mir scheint, man möchte das alte Jahr mit aller Macht und Wucht einfach und endgültig weglachen.

Lachen Sie gerne über Pleiten, Pech und Pannen Ihrer Mitmenschen? Bitte sehr: Am Silvesterabend war bei mir nix mit «Dinner for one» kucken. Ich lag mit Fieber und Schüttelfrost im Bett. Die Boosterimpfung vom Vortag forderte ihren Tribut. Statt Festessen, Tischbombe und Prosecco gab es Minzentee und Zwieback. Schlechtes Timing, sehr schlechtes Timing. Augen auf bei der Buchung des Booster-Termins! Und als ich endlich schlafen konnte, ging um Mitternacht die grosse Böllerei los. Nach kräftigem Ärgern und Fluchen musste ich dann doch auch ein bisschen über diese Situation schmunzeln und sprach zum Kater, der sich in der Zwischenzeit unter dem Bett verkrochen hatte: «Frohes neues Jahr, Billi, weisst du, rire c’est bon pour la santé!»