Gedanken

Raphael Nadler Chefredaktor | Der Landanzeiger
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Raphael Nadler, Chefredaktor

Wie man merkt, dass man alt wird

«Papa, es ist schon ok, wenn Du in die Wohnung zurückfährst und dich ausruhst, Du bist ja nicht mehr der Jüngste», sagte mein Sohn (10) vor wenigen Tagen in den Skiferien zu mir. Verabschiedete sich und fuhr nochmals einige Abfahrten.

Dass ich aber auch sonst bald zum alten Eisen gehöre, bemerke ich zum Beispiel in der Arbeitswelt. Es wird zwar weiterhin voller Einsatz für den Arbeitgeber verlangt, doch im Gegensatz zu früher wird es heute kaum mehr vorgelebt. Sich vor seine Mitarbeiter zu stellen, für Fehler von ihnen einzustehen und sie auszubügeln, erachten viele Vorgesetzte heute als altmodisch und überflüssig.

Der Kunde ist zwar weiterhin König, doch er wird nur als solcher behandelt, wenn er sein Geld bringt, nichts fordert und keine Probleme macht. Gibt es Probleme zu beheben, schiebt man diese gerne anderen in die Schuhe, statt sie direkt zu lösen.

Hatten früher nur Leute einen Titel, den sie sich mit einem Abschluss verdienten, so erhält heute schon fast jeder bei seiner Einstellung eine wahnsinnig wichtig klingende und englisch verfasste Jobbezeichnung. Egal, ob schon was geleistet wurde oder nicht. Möchte man seine Vorgesetzten heute mal direkt sprechen, so haben sie bestimmt gerade ein Meeting, einen Lunch, ihren freien Tag oder gar ein Sabbatical. Brauchte man früher eine Lupe, um ein Organigramm einer Unternehmung zu lesen, so benötigt man heute ein Fremdwörterbuch.

Was mir aber bewusst macht, dass ich langsam zum alten Eisen gehöre, ist die Tatsache, dass ich noch weiss, woher das Geld kommt und wer mir meinen Lohn zahlt. Nämlich Sie, liebe Inserentinnen und Inserenten, Sie liebe Leserinnen und Leser, und dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Es freut mich, für Sie arbeiten zu dürfen, und wir beim «Landanzeiger» tun es gerne.

Es fällt mir auch kein Zacken aus der Krone, meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz zu danken und sie zu loben, und das nicht nur kurz vor Weihnachten, weil es halt so sein muss. Nein, Respekt und Wertschätzung sind keine «alten Zöpfe». Sie gehören zusammen mit dem Geldverdienen zu den wichtigsten Eckpfeilern eines jeden Unternehmens. Das war gestern so und gilt auch heute und morgen noch.