Wenn der Wirt und der Gast glücklich sind

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Es war mein Glücksmoment der letzten Woche: Im Restaurant auf der Speisekarte einfach auf eine leckere Vorspeise und einen gluschtigen Hauptgang zeigen und sich darauf freuen, dass man nicht mehr jeden Tag selber kochen muss. 

Unser erster Restaurantbesuch seit Wochen war wie immer und doch irgendwie neu. Uns schien, auch das Restaurant habe sich extra herausgeputzt: Der Gastgeber besonders freundlich, die Bedienung ebenfalls, die Köche hochmotiviert, bereits der «Gruss aus der Küche» ein Traum.

Dass die Restaurants wieder offen sind, ist gut fürs Herz und das Gemüt. Nach etlichen Wochen zuhause wusste man ja gar nicht mehr, was man kochen soll. 

Deshalb machten wir daheim ein Spiel daraus, eine «Corona-Koch-Challenge»: Jeder musste einmal pro Woche etwas kochen, das er noch nie gemacht hat. 

Fleissig wurden Rezepte gesucht, im Internet zum Beispiel oder in einem von unzähligen Kochbüchern, die sich in unserer Küche stapeln – und dann wurde gekocht: überraschend, kreativ, auch mal ganz einfach; aber immer mit irgendetwas Neuem. 

Bei mir stand einmal ein Spargel-Shak-shuka auf dem Menüplan, offenbar ein Nationalgericht in Nordafrika und in Israel. Ich wählte es aus, weil es simpel einfach zu kochen ist und wir fast alle Zutaten im Haus hatten. Es geht so: im Wok Spargeln in Öl anbraten, jungen Spinat dazugeben, dann eine Dose gehackte Tomaten hineingeben, alles einkochen lassen und ganz am Schluss mit dem Löffel vier Mulden in die Sauce eindrücken und dort vier Eier einzeln aufschlagen und stocken lassen. Gefunden hatte ich das Rezept zufällig auf einer Koch-App. Selten bekam ich mehr Komplimente für meine «Kochkünste».

Doch jetzt bin ich froh, dass die Profis wieder die Kochlöffel schwingen dürfen. Das Restaurant ist momentan auch fast die einzige Ausgehmöglichkeit. Dies erlebten wir am Samstagabend: Im «Ochsen» in Schöftland war jeder Tisch besetzt. Und das freute mich. Denn dem Wirt ist dies sehr zu gönnen, hat er doch im März, kaum angefangen, wegen Corona schon wieder schliessen müssen. Seinen Start in Schöftland hat er sich wohl anders vorgestellt. Nun erfolgt ein zweiter Start für ihn, seine junge Familie und sein Team. 

So war die Freude auf beiden Seiten spürbar: Der Wirt endlich in der vollen Gaststube und auch für die Gäste, welche, so bin ich überzeugt, die schönen Teller mehr wertschätzen als «früher». 

Endlich wieder Schule – besonders in Muhen!

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Was wird das für ein Moment sein: Am Montag gehen die Schülerinnen und Schüler im Kanton Aargau erstmals seit vielen Wochen wieder in die «richtige Schule». In Muhen kommt es dann sogar zu einem doppelten Neustart: Erstmals werden die Schülerinnen und Schüler im nigelnagelneuen Schulhaus unterrichtet. Sie werden die ersten sein im neuen Schulhaus und dies werden sie ihr Leben lang wohl nicht vergessen.

Vorbei ist in Muhen die Zeit, in der die Schule vor allem eine grosse Baustelle war, mit Lärm, Umwegen, grossen Baggern und vielen Bauarbeitern. Die Unterstufe zieht aus dem alten Gasthof Waldeck aus, dem Provisorium, und hinein in das neue Schulhaus auf der anderen Seite der Hauptstrasse. Zweieinhalb Jahre lang dauerte es bis zur Fertigstellung des 23-Millionen- Projektes. Wie das neue Schulhaus aussieht, sehen Sie heute in unserer grossen Baureportage. Die Bevölkerung kann das neue Schulhaus vorerst nicht von innen sehen. Das für Mitte Juni geplante viertägige, grosse Einweihungs- und Dorffest wurde aus bekannten Gründen abgesagt.

Laut dem Gemeindeammann wird es aber schon irgendwann noch eine offizielle Eröffnung geben mit Apéro und Rundgang durch die neuen Schulräumlichkeiten – sobald dies wieder möglich ist.

Am Sonntag war ich beim Schulhaus. Für unsere Baureportage brauchte es noch ein aktuelles Foto von Aussen, als Vergleichsbild zur Visualisierungs-CD des Architekten aus dem Jahr 2016. Es verblüfft mich, wie nahe das heutige Bild an die Planungsidee herankommt.

Ich war nicht alleine: Viele Mühelerinnen und Müheler nutzten ihren Sonntagsspaziergung, um sich das neue Schulhaus mit eigenen Augen anzusehen. Auch eine Familie mit drei Kindern schaute sich das fertige Bauwerk von aussen an. «Weisst Du Mami, nichts gegen Dich, aber ich freue mich sehr, wenn ich am Montag wieder in die Schule gehen kann!», sagte die grössere Tochter. Die Mutter nickt. Auch sie freut sich. Für sie und viele Eltern endet die wochenlange Zeit des «Homeschooling». Es war, so gesteht die Mutter, nicht immer einfach und eine Herausforderung.

Jetzt also geht es wieder in die Schule. Die Eltern sind raus aus der Nummer und die Kinder sehen endlich ihre Klassengspändli und die Lehrer wieder. Was ich mir in meiner Schulzeit nie hätte vorstellen können, passiert am Montag: Schülerinnen und Schüler freuen sich, wieder in die Schule zu gehen!

Tanz den «Dis-Tanz»

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Mein Freund Freddy erzählt mir vor ein paar Tagen, er habe jetzt aus dem Home Office via die Home Ostern direkt in die Home Ferien gewechselt – und dabei habe sich eigentlich nichts verändert, weil all das habe sich am selben Ort abgespielt: in seinen eigenen vier Wänden. Arbeiten, Ostern, Ferien.

Als Single ist er am vereinsamen. Keine Fahrt mit dem öV an den Arbeitsort. Keinen direkten Kontakt mehr mit Arbeitskollegen und Freunden. Kein gemeinsames Mittagessen, kein Vereinsleben und kein Stammtisch. Der Osterbrunch seiner Familie wurde abgesagt und die Ferien verbringt er auch zu Hause statt mit der Velogruppe auf einer Insel im Süden.

Das schmerzt, denn darauf hat sich Freddy besonders gefreut. Die Gruppe bucht diese Radsportwoche jedes Jahr. Längst seien daraus Freundschaften entstanden. Gebucht waren diese Veloferien schon seit Monaten. Sie wurden längst abgesagt. Die Ferien musste er trotzdem beziehen, seine Firma bestand darauf. Zum Glück ist Freddy eine Frohnatur. Trübsal blasen ist nicht sein Ding. Er versucht sich mit Tagesausflügen und mit Besuchen bei Freunden bei Laune zu halten. Wie richtige Ferien fühle sich das jedoch überhaupt nicht an, erzählt er mir beim Bier, das wir irgendwo am Waldrand aus mitgebrachten Dosen trinken, in zwei Metern Corona-Abstand natürlich. Nur beim Prost verkürzen wir diese Distanz.

Dann schwingen wir uns wieder aufs Rad, er mit dem Rennrad in diese Richtung, ich mit dem E-Bike in die andere. Auf der Heimfahrt denke ich noch lange über Freddy nach und dass wir in diesen Zeiten nicht nur an die Seniorinnen und Senioren, sondern auch an jene denken sollten, die alleine sind.

Unterwegs fällt mir ein, dass ich noch einkaufen sollte. Beim Grossverteiler in Unterentfelden halte ich an. Zu meiner Freude schaffe ich es beim Eingang zum ersten Mal seit Wochen, dass das Desinfektionsmittel tatsächlich auf den Händen und nicht auf meinen Kleidern landet. Aber dann kommt es in der Frischgemüse-Abteilung zu einem Stau. Die Einhaltung der bundesrätlich geforderten Abstände ist hier kurzzeitig nicht möglich. Alle bemerken wir das, reagieren besorgt und versuchen, uns tänzelnd in die Zwei-Meter-Distanz zu manövrieren – bis es uns bewusst wird und wir alle zu Lachen anfangen.

Wieder zu Hause fällt mir auf, dass das Wort «Tanz» im Wort «Distanz» vorkommt. Ich befürchte, wir tanzen noch ein Weilchen den «Sozialen Dis-Tanz»

Einmal durchkneten bitte!

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

An der Schönenwerderstrasse 7 in Oberentfelder verkaufte die Bäckerei Richner jahrzehntelang frische Backwaren und Konditorei-Leckereien. Vor zwei Jahren verkauften die Besitzer die Bäckerei und zogen in ihr Ferienhaus nach Arosa.

In die ehemalige Bäckerei in Entfelden zog stattdessen eine Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ein. Ein grosser Unterschied, könnte man meinen. Auf den ersten Blick sind das zwei Welten, die nichts miteinander zu tun haben: Die Bäckerei Richner und Tao Ying Medi. Das habe ich mir am Anfang auch gedacht. Inzwischen weiss ich: Das stimmt nicht so ganz! Denn in der ehemaligen Backstube passiert auch heute im Grunde immer noch das gleiche: Dort wird immer noch geknetet! Und zwar kräftig. Ich weiss das aus eigener Erfahrung.

Bis vor zwei Jahren ging ich jeweils für ein Znüni und einen kurzen Schwatz so um neun, halb zehn Uhr morgens beschwingt die paar Schritte rüber in die Bäckerei zu Edith und Heinz Richner und zu ihrem Team. Wobei dann der Bäcker Heinz Richner meistens schon im Bett lag. Denn er arbeitete ja die ganze Nacht durch fleissig in der Backstube und hat dort auch den Teig für die kommenden Tage geknetet.

Heute liege ich genau dort, wo Heinz Richner 35 Jahre lang den Brot- und Gipfeliteig geknetet hat, bequem auf einer Liege in einem frisch gestrichenen hellen Raum, höre sanfte Musik und werde nach allen Regeln der Chinesischen TCM-Kunst durchgeknetet.

Unter den kräftigen Händen der Chinesischen Ärztin werde auch ich langsam aber sicher zu einem formbaren Teig. Gleich werde ich in den Ofen geschoben, fürchte ich. Morgen bin ich Brot! Doch die Chinesische Ärztin rettet mich. Sie beendet ihre erstaunlich kräftige und wohltuende Massage und setzt stattdessen geschickt und präzise ihre Nadeln, nach der Philosophie von Yin und Yang.

Sie trifft geübt jeden chinesischen Triggerpunkt, wie ich diese Nadel-Punkte für mich nenne, direkt bei meinen zuvor geschilderten Problemzonen und an weiteren Punkten überall am Körper, von ganz oben bis ganz unten. Wie das wohl aussieht, frage ich mich? Was schmerzhaft tönt, ist jedoch nur halb so wild. Dann werde ich gut eingepackt, die Wärmelampe über dem Bauch wird angeknipst, die Chinesische Entspannungsmusik läuft, das Licht wird gelöscht und die Ärztin verlässt den Raum mit den Worten: «Jetzt schlafen gut!»

Als Thiem in Entfelden früh ausschied

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Das internationale Junioren-Tennisturnier in Oberentfelden hat in seiner elfjährigen Geschichte schon einiges erlebt. Vor den diesjährigen Finalspielen luden die Organisatoren zum Apéro. Gastgeber Freddy Blatter begrüsste die Ehrengäste, dankte dem Hauptsponsor und schilderte, wie Dominic Thiem im Jahr 2008 am Entfelder Juniorenturnier gespielt hat. Der Österreicher, der vor wenigen Tagen  im Finale der Australian Open Novak Djokovic gegenüberstand, habe hier vor 12 Jahren keine grossen Stricke zerrissen.  Die Turnier-Nummer 1 sei damals bereits in der zweiten Runde sang- und klanglos ausgeschieden.

Freddy Blatter hätte auch die Geschichte von Muhamed Fetov erzählen können. Fetov, ehemaliger Schweizer Meister, stand während Blatters Rede links neben ihm und wurde als neuer Mitbesitzer der Tennisschule präsentiert. Was Blatter nicht erzählt hat, ist Fetovs aussergewöhnliche Tennisgeschichte, die sich vor 16 Jahren genau hier in Oberentfelden zutrug. Jedoch nicht bei den Junioren, sondern an einem Turnier, an dem ein paar wenige ATP-Punkte zu gewinnen waren. Fetov hätte diese Punkte benötigt. Er spielte damals im Jahr 2004 um nichts Geringeres als seine Zukunft als Tennis-Profi. Bei einem Sieg hätten ihm Sponsoren den Start seiner Profi-Tennis-Karriere finanziert. Der Zufall wollte es, dass ich das kapitale Match des damals 19-jährigen Niederrohrdorfers als Sportreporter einer Lokalzeitung vor Ort miterlebte. Ich habe es bis heute nicht vergessen.

Fetovs Pech war, dass er 2004 in Oberentfelden gegen einen gewissen Simone Bolelli aus Italien spielen musste, der ein paar Jahre später richtig durchstarten sollte und  bis in die Top-50 der Weltrangliste vorstiess. Fetov verlor vor 16 Jahren gegen den Italiener in zwei Sätzen und damit wurde es nichts mit der erträumten Karriere als Tennis-Profi. 

Am Samstag sahen wir uns an gleicher Stelle wieder, freuten uns, plauderten über den Match, als wäre es gestern gewesen. Muhamed Fetov gestand, dass er damals Freddy Blatter um Rat bat. Er könne nur Tennis spielen, sagte er ihm. Blatter engagierte Fetov flugs als Tennistrainer und verhalf ihm zu einer KV-Ausbildung.

Bis vor kurzem leitete Muhamed Fetov in Baden seine eigene Schule. Ab April wird er neuer Mitbesitzer der Tennisschule aarau-West und dereinst vielleicht Nachfolger von Freddy Blatter. So wird der Ort seiner bittersten sportlichen Niederlage zum Ort seiner beruflichen Zukunft. Solche Geschichten schreibt nur der Sport!

Liebe Swisscom,

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Ihr Unternehmen ist in unserem Dorf seit ein paar Wochen fleissig daran, ein Glasfaserkabel zu verlegen. Es wird unser Dorf mit der Datenautobahn der grossen Welt verbinden. Dafür möchte ich Ihnen danken! Strasse um Strasse wird mit Baggern aufgerissen, Kabel werden in Gräben verlegt. Wir Anwohner fahren in einem vorsichtigen Slalom um Mitarbeitende der Firma Cablex, welche diese Arbeiten für Sie erledigen. Ein paar Tage später sind die Gräben wieder aufgefüllt, alles ist fertig und neu geteert.

Das Glasfaserkabel sorgt für eine ultra-schnelle Verbindung ins Internet, so versprechen Sie in einem Brief, den alle Einwohner unseres Dorfes und benachbarter Dörfer erhalten haben, wo Sie ebenfalls am «glasfasern» sind.

Sie zogen das Kabel (noch) nicht bis in unser Haus, sondern, soviel ich weiss, nur bis zum Verteilerkasten vorne an der Stras-senecke. Liebe Swisscom, vermutlich wissen Sie, dass wir in unserem Quartier noch wie ganz früher Telefonmasten aus Holz und Freileitungen haben.

Früher reichten die dünnen Drähte aus, damit wir telefonieren konnten. Heute hängt bei uns auch das ganze Internet mit dran an den alten, dünnen Drähten der Freileitung. Das so etwas überhaupt funktioniert, finde ich ziemlich beeindruckend. Denn das tut es tatsächlich.

Meistens jedenfalls. Wenn es regnet oder stürmt oder gewittert, blinkt manchmal Ihre weisse Internetbox im Wohnzimmer rot. Dann haben wir kein Internet und können auch nicht telefonieren. So habe ich Sie damals nach dem Sommergewitter mit dem Smartphone angerufen und Sie haben bei uns innert kürzester Zeit die dünnen zwei Drähte ersetzt durch eine neue dickere, gezwirbelte Leitung. Dazu sind zwei Männer mit Steigeisen an den Schuhen die Telefonmasten hoch- und wieder runtergestiegen. Nun läuft das Internet besser.

Ich fasse zusammen: Das Internet rauscht jetzt ultraschnell bis zum Verteilerkasten vorne an der Ecke unseres Quartiers, von dort aus tröpfelt es dann die letzten Meter gemütlich durch die Luft durch Leitungen, die halt nicht ultraschnell sind.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Für mich ist das völlig ok. Sie müssen für mich das Glasfaserkabel nicht bis ins Haus ziehen. Einmal kein Fortschritt, das wäre einer! Es ist ein gutes Gefühl und völlig symphatisch, dass unser Internet immer noch per Freileitung kommt. Aber falls ich trotzdem einmal eine ul-traschnelle Verbindung benötigen sollte, wo am Verteilerkasten kann ich den Laptop einstecken?

Stresstest fürs Gemüt

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Den November hätten wir schon mal geschafft. Nicht alle von uns kommen mühelos durch den nasskalten, dunklen Monat mit seinen ungemütlichen Zutaten: Kälte, Nässe und Wind; manchmal alles miteinander. Dann steckte uns der November auch noch tagelang unter einen grauen, trüben Hochnebeldeckel. Nein, der November ist wahrscheinlich für viele von uns nicht gerade der beliebteste Monat.

Oder wie es vergangene Woche eine Frau im Zug ihrer mitreisenden Freundin erklärte: «Der November ist der Stresstest fürs Gemüt!» Das fand ich derart zutreffend, dass ich ihr zunickte, obwohl man sich im öV normalerweise nicht in Gespräche anderer Leute einmischt. Nur allzu gerne hätte ich sie noch gefragt, ob denn der Dezember besser sei? Leider stiegen die Damen in St. Gallen aus und meine Fahrt führte alleine weiter Richtung Bodensee, wo ich mich mit einem guten Freund aus Salzburg traf.

Ihn fragte ich beim Mittagessen, was er von dieser Zeit Ende November, Anfang Dezember halte, wie er damit klarkomme? Natürlich litten sie auch in Salzburg unter dem Hochnebel, sagte er. Ihm mache das jedoch nicht viel aus. Sein Rezept: Raus an die Luft, rauf auf den Berg, an die Sonne, ans Licht!

Dann erzählt er: «Licht ins Dunkel» heisst in ganz Österreich seit über 40 Jahren eine grosse humanitäre Weihnachtsaktion des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Dieses Motto habe sich in die Seele der Österreicherinnen und Österreicher eingebrannt. Für ihn persönlich gelte «Licht ins Dunkel» ganz allgemein für die dunklen Wintermonate. Denn nebst Wärme sei Licht in dieser Zeit das allerbeste Mittel fürs Wohlbefinden. Und wenn man bei «Licht ins Dunkel » denjenigen im Land hilft, die Hilfe am nötigsten haben, dann sei dies ebenfalls gut fürs Gemüt.

Ob wir so eine Aktion in der Schweiz auch hätten in der Vorweihnachtszeit, fragt er mich dann. Nach einigem Nachdenken nicke ich: Doch, das gab es bei uns auch, bis vor einem Jahr. Bei uns, so erzähle ich ihm, hiess eine vergleichbare Aktion «Jeder Rappen zählt!». Daraufhin müssen wir beide lachen und er scherzt: «Das ist ja mal wieder typisch Schweiz, immer gehts bei Euch ums Geld!»

In diesem Sinne: Bringen Sie Licht ins Dunkel, für sich selbst und für andere, öffnen Sie Ihr Herz – und wenn Sie mögen, auch den Geldbeutel für Menschen in Not – und kommen Sie gut durch die Vorweihnachtszeit!

Oh mein Böröm!

Kaspar Flückiger, Redaktor | Der Landanzeiger

Kennen Sie das Böröm pöm pöm in Oberentfelden? Wahrscheinlich nicht, denn die Musikbar in der Alten Bürsti in Oberentfelden ist wohl nur einem ganz kleinen Teil unserer Leserschaft bekannt. Vielleicht möchten Sie trotzdem wissen, was es mit diesem Lokal und was es mit diesem komischen Namen auf sich hat? Blättern wir 25 Jahre zurück. Ein paar «Entfelder Jungs» (ja, es waren am Anfang tatsächlich noch keine «Mädels» dabei …) mieteten im ersten Stock der alten Fabrik einen Raum. Der Zufall wollte es, dass ich einer von diesen «Entfelder Jungs» war.

Der Raum in der Alten Bürsti war als privater Treffpunkt gedacht. Aus einem CD-Discman mit zwei kleinen Lautsprechern schepperte Musik in den leeren Raum. Eine Kiste Billig-Bier stand in der Mitte. Das war der Anfang. Dann wurde eingerichtet: Ausgediente Sofas wurden herbeigeschleppt, ein Kühlschrank, dann: eine Bar, eine bessere Musikanlage, ein Töggelikasten und ein Gestell mit unseren CDs. Die Party konnte beginnen. Das war im Herbst 1994.

Zwei Monate später konnte sich der Raum bereits sehen lassen. Wir waren stolz darauf und unser Raum sollte mit einer zünftigen Silvesterparty eingeweiht werden. Dazu wurde ein Flyer gestaltet und getextet. Fehlte nur noch die Signatur. Doch «wir» hatten noch keinen Namen. Aus den Lautsprechern ertönte just in diesem Moment ein Lied aus der damals aktuellen CD von Stiller Has. Der Refrain ging in etwa so: «Rom pom pom pom pom, böröm pöm pöm» – irgendeiner von uns murmelte «Böröm pöm pöm» – und so hiess dann der Raum.

Die Party ging weiter. Tanzend wurden ganze Nächte durchgefeiert, es war grossartig! Längst kamen nicht mehr nur die «Entfelder Jungs» hierhin, sondern auch ihre Freunde und die brachten weitere Freunde mit. Irgendwann kamen Leute, die wir gar nicht kannten. Irgendwann kam die Polizei und drohte mit der Schliessung des «illegalen Clubs». Das Böröm-Team kratzte sich am Kopf, machte seine Hausaufgaben und fand den Weg in die Legalität. Dann kamen die Bands. Als an Samstagen auf DRS3 noch Konzertkalender vorgelesen wurden, jubelten wir, wenn der Moderator wieder über den Namen «Böröm pöm pöm» stolperte.

Das Böröm hat sich über all die Jahre gemausert zu einem wichtigen Konzertlokal für Rock- und Metalbands aus dem In- und Ausland. Heute Abend wird mit einer kleinen Feier auf 25 Jahre Böröm angestossen. Das finde ich wunderbar. Prost Böröm und danke, Du hast mein Leben enorm bereichert!