Ungenaue Wettervorhersagen nerven uns!

Markus Schenk | Gedanken | Der Landanzeiger

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die Wettervorhersagen immer unpräziser werden? Sogenannte spezialisierte Wetterdienste gibts mittlerweilen wie Sand am Meer.

Je mehr es von ihnen gibt, desto unzutreffender sind die Voraussagen. Und nun gehts noch einen Schritt weiter. Bereits wird den Leuten Angst eingeflösst durch die Mitteilung, wonach der diesjährige Sommer noch heisser werde als der letzte.

Nun ist der Frühling bald vorbei und wir sind enttäuscht. Er brachte oft Regen und Kälte. Aber wie waren denn hier die Vorhersagen? Sie kündigten zwar einen Kaltstart, aber dann eine lange Trockenzeit an. Wie wir heute wissen, war diese Prognose falsch. Und nun gibt es Warnungen vor einem zu heissen Sommer. 

Wie kommen wohl diese «Spezialisten» auf diese Prognose. «Es ist schwierig, im Frühling eine Wetterprognose für den Sommer zu machen», findet Stefan Brönnimann. Er ist Professor für Klimatologie an der Universität Bern.

Da die Temperaturen wegen des Treibhauseffektes immer wärmer werden, ist die Voraussage eines warmen Sommers wohl keine Kunst. Allein schon wegen des Treibhauseffektes muss man mit einem warmen Sommer rechnen.

Aber warm und sehr heiss sind dann immer noch zwei Paar Schuhe. Lassen wir die langfristigen Prognosen, denn dafür sind bekanntlich auch noch die Muatathaler Wetterfrösche zuständig, die es ganz genau wissen. Was nervt, sind die kurzfristigen, ungenauen Prognosen. So kann man kaum mehr richtig planen – es sei denn man glaubt den Prognosen einfach nicht.

Tatsache ist, dass die vielen Wetterapps auf Handys oft recht unseriös und deshalb ungenau sind. Glaubt man Spezialisten, ist ein Grund für die Abweichungen der Prognosen das lückenhafte Messnetz. Um das zukünftige Wetter zu berechnen, brauchen Wettermodelle Messdaten. Je genauer, desto besser. Ideal wäre ein Messnetz, welches den Zustand unserer Lufthülle an jedem Punkt auf der Erdoberfläche über die ganze Höhe misst.

Ein weiterer Grund sind die Wettermodelle selber. Die Modelle verbessern sich zwar ständig. Trotzdem ist es aber nicht möglich, die Prozesse in unserer Atmosphäre exakt mathematisch zu berechnen. Die Vorgänge sind so komplex, dass man sie nur annähern kann. Die Wetterberechnungen werden wohl deshalb auch in Zukunft nie exakt sein. 

Was lernen wir daraus: Glauben wir nicht alles, was uns die Wetterfrösche auftischen. Immerhin stimmt oft wenigstens ein Bruchteil der Vorhersagen.

Ich persönlich richte mich eher nach dem Barometer und dem hundertjährigen Kalender, der oft genauer ist als die Wettervorhersage des Schweizer Fernsehens. Immerhin ist da jeweils der Status quo glaubwürdig: Ist der «Bucheli» auf der Wetterstation auf dem Dach klatschnass, regnet es in der Regel in Zürich. Tritt dieser ohne Regenmantel trotz Regen auf, war eben die Vorhersage ein Flop!

Stirbt die Zirkusszene aus?

Markus Schenk | Gedanken | Der Landanzeiger

Als grosser Zirkusfan bin ich geschockt über das Aus des Traditionszirkus Nock, obschon ich von den Schwierigkeiten seit längerer Zeit weiss. Dass es die Zirkusse heutzutage nicht einfach haben, wusste ich natürlich. Aber dass es so weit kommt, dass der zweitgrösste Schweizer Zirkus nach über 150 Jahren nicht mehr existieren kann, ist höchst bedenklich. Die Leute konsumieren offenbar lieber Elektronik. Sind die Live-Künste nicht mehr gefragt?

In der modernen Gesellschaft wirkt ein Zirkus offenbar immer mehr wie ein Fremdkörper. Noch nie steckte die Zirkusbranche  in einer solchen Krise wie heute. Dabei zählt meines Erachtens ein Zirkus zum Kulturgut. Und gerade der Kanton Aargau war da führend. Ein Zirkus besteht seit je aus Artisten, Clowns und Tieren. Der artistische Bereich funktioniert noch bei den meisten Zirkussen. Die Artisten und Artistinnen wirken unter der Zirkuskuppel sexy und das wiederum ist vielen ein Dorn im Auge. Sie sähen es wohl lieber, wenn die Artisten sich zugeknöpft zeigen. Längst abgeschafft wurden die Nummerngirls. Waren sie viel zu sexy? Dann kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Offenbar steckt auch die Clownszene in einer Krise. So müssen in diesem Jahr, im Jubiläumsprogramm des Zirkus Knie, sogar Mike Müller und Viktor Jaccobbo einspringen, obschon sie gar keine klassischen Clowns sind.

Und dann kämen wir noch zu den Tieren. Die radikalen Tierschützer wollen diese schon lange ganz aus den Zirkussen entfernen, was ihnen teilweise schon gelungen ist. Dabei haben die grossen Schweizer Zirkusse wie Knie oder Nock immer sehr gut zu den Tieren geschaut. Da sind absolute Spezialisten am Werk, die die Tiere lieben und ihr Handwerk verstehen. Ich frage mich, ob eine einstudierte Pferdenummer dem Tier wirklich schadet. Ich glaube, dass es diesen auch gefällt. Sie spüren doch die Begeisterung des Publikums. Der Landanzeiger hat seit vielen Jahren eng mit dem Circus Nock zusammengearbeitet und die Leser durften davon profitieren.

Ich persönlich bin ein grosser Zirkusfan. Nun muss ich mich ernsthaft fragen, ob ich ein Mensch von gestern bin? Wir leben in einer Zeit, in der das Angebot an Unterhaltung immens ist. Da findet offenbar die Zirkusszene kaum mehr Platz. Das ist besonders bedauerlich, hatten doch die Schweizer Zirkusse allgemein einen guten Ruf.  

Tatsache ist aber nun mal, dass immer weniger Leute einen Zirkus besuchen. Die Besucher sind bekanntlich der Nährboden. Die Gründe der Krise liegen wohl kaum in der Qualität, denn die Programme, die beispielsweise der Circus Nock in den letzten Jahren präsentierte, waren allesamt sehenswert. Im «Nock» waren zuletzt junge, innovative Frauen am Werk, die nun das Handtuch werfen mussten. Das ist bitter.

Generationenprofit – Generationenkonflikt

Markus Schenk | Gedanken | Der Landanzeiger

Die Zeiten der Grossfamilien sind in Westeuropa wohl nicht zuletzt des Wohlstandes wegen vorbei. Jede Familie hat eine eigene Wohnung. Jede Familie ist für sich und wenn sie nicht will, muss sie sich nicht mit anderen abgeben. Unterhaltung ist dank den digitalen Medien genügend vorhanden – sogar einkaufen kann man zu Hause. So kommt es, dass viele Zeitgenossen heute anonym leben.

In unserer Region ist vor noch nicht allzu langer Zeit eine Frau gestorben ohne, dass sie jemand vermisste. Nach drei Wochen wurde sie in ihrer Wohnung gefunden. Da haben wir es wirklich weit gebracht! Jeder schaut zuerst für sich und dann für die eigene Familie. Das Darumherum geht verloren. Die Folge sind Anonymität und Einsamkeit.

Zu meiner Jugendzeit war das noch anders. In unserem Haus waren nicht nur meine Geschwister und die Eltern untergebracht, sondern auch die Grosseltern und sogar eine Grosstante. Selbstverständlich wurde jeweils auch das Essen gemeinsam an einem grossen Tisch eingenommen und dabei vernahm man dies und das auch ohne Fernseher.

Mein Grossvater – ein intelligenter Mann – erkrankte früh an Multiple Sklerose. Dies wiederum war für uns eine Chance. Der Grossvater konnte zwar nicht arbeiten, aber er konnte mit uns lernen. So half die eine Generation der andern und auch ich habe profitiert. 

Der Grossvater schrieb einst für die Bauernzeitung, ich dann eben für den Landanzeiger. Der Grossvater schaute, dass wir die Hausaufgaben erledigten und erklärte uns dies und das aus dem Leben.

Am vergangenen Wochenende weilte ich in Italien. In einer Ortschaft am Ortasee wurde das Schulfest gefeiert. Eingebunden wurden dabei auch die Senioren des Dorfes. An verschiedenen Posten zeigten sie den jungen Leuten alte Spiele und Tricks. Die Augen der Schüler funkelten und die Senioren machten mit viel Einsatz mit und vor allem die Leute lernten sich besser kennen.

Für mich war es interessant zu beobachten, dass es am Schulfest in Italien nicht teure Einrichtungen brauchte, um die Jungen und auch die Alten zufrieden zu stellen. Ich denke, dass solche Partnerschaften auch hier greifen könnten. Mehrere Generationen können so voneinander profitieren. Aber wir müssten wieder aufeinander zugehen. Das Rad lässt sich natürlich nicht so schnell zurückdrehen und doch sollten wir in diese Richtung denken.

Regen wir uns nicht immer auf über den Lärm der Jugend. Wenn wir uns mit ihr beschäftigen, sind sie gar nicht mehr so laut und die «Alten» haben wieder eine sinnvolle Aufgabe.

Digitalisierung ja aber …

Markus Schenk | Gedanken | Der Landanzeiger

… bitte ohne Zwang! Kürzlich hat der Kanton Aargau über die Digitalisierung verschiedener Bereiche orientiert. Wir Medien spüren natürlich auch, dass die Digitalisierung nicht aufzuhalten ist. Dagegen anzukämpfen ist sinnlos, weil eben gerade die Digitalisierung auch Vorteile bringt. 

Wer heute noch keinen Computer zu Hause hat, hat bestimmt ein Handy oder ein Tablet, um an Informationen heranzukommen. Früher liessen sich jeweils einige Zeitgenossen frühpensionieren, weil sie das Computerzeitalter nicht mehr mitmachen wollten. Heute organisiert sogar die Pro Senectute Computer- und Handykurse. Wer sich heute komplett der Digitalisierung verschliesst, kommt kaum mehr an alle Informationen heran. Dass da der Kanton ebenfalls gewisse Dienstleistungen digital anbietet, ist nachvollziehbar. Zudem kommt ein gewisser Spareffekt hinzu. 

So ist beispielsweise der Lehrstellennachweis oder überhaupt eine Auflistung von offenen Stellen im Netz sehr sinnvoll. Künftig wird auch das Amtsblatt digital. Auch das ist nachvollziehbar. Gelesen wird dieses ohnehin nur von Leuten, die das lesen müssen. Auch hier kommt man digital mit deutlich weniger Aufwand zu den Leuten.

Auch das Strassenverkehrsamt wird künftig gewisse Dienstleistungen digital anbieten. Somit muss nicht mehr jeder nach Schafisheim fahren und das ist doch auch gut so.

Digitalisierung ja … aber auf freiwilliger Basis! Ich möchte davor warnen, Leute zu zwingen, Apps auf ihr Handy zu laden. Und es ist bekanntlich auch keine Verpflichtung, ein Handy zu besitzen. Ansonsten müsste der Staat Gratis-Staatshandys verteilen und alle wichtigen Apps gleich draufladen.

Sinnvoll wäre auch eine Kombination Digital/Papier. Der amtliche Teil des Landanzeigers wird beispielsweise sehr gut gelesen. Wer weiss – vielleicht liest man eines Tages wieder gerne eine gedruckte Zeitung. 

Ich träumte kürzlich davon, dass das sogar wieder Kult wird. Das Handy wird wohl künftig kaum von der Bildfläche verschwinden. Die Zeitung sollte das aber auch nicht und das sollte sich auch der Kanton merken.

Digitalisierung in Ehren, aber die Regionalzeitungen sind eben auch wichtig als Vermittler und wichtiges Bindeglied zu den Verwaltungen. Zumindest die führenden Wochenzeitungen werden in der Schweiz nicht aussterben.

Auch der Landanzeiger hat die Zeichen der Zeit längst erkannt und ist sowohl in Papierform wie auch digital als E-Papervariante zu lesen. Selbst die Inserate sind sowohl auf Papier wie auch digital vorhanden. Die amtlichen Publikationen werden vom Landanzeiger gar digital archiviert. Somit werden die Gemeinden entlastet. Wie das zeigt, braucht es wohl künftig eben beides. 
Der Mensch liebt Abwechslungen. Alles digital zu lesen ist mühsam. Da ist man froh, wieder einmal ein Printmedium in den Händen zu halten.

Preisbewusstes Einkaufen ist kein Geiz!

Markus Schenk | Gedanken | Der Landanzeiger

Werden wir Schweizer tatsächlich immer geiziger? Eine neue Studie zeigt, dass wir immer preisbewusster einkaufen. 58 Prozent achten gemäss dieser Studie bei Lebensmitteln stark auf Sonderangebote. Prompt interpretierte das ein Medium mit dem reisserischen Titel  «Geiz ist geil!».

Ich frage mich, was preisbewusstes Einkaufen mit Geiz zu tun hat? Wohl kaum etwas. Viele Zeitgenossen sehen sich gezwungen, auf Aktionen zu achten. Das ist doch legitim! Jedes Kind weiss, dass diese Aktionen gemacht werden, um Kunden in den Laden zu locken. 

Wenn wir die Werbung unserer zwei Schweizer Grossverteilerriesen genauer betrachten, sind es oft gar gleiche oder ähnliche Aktionen, die diese anbieten. Es ist auch nicht so, dass nur die Grossen Sonderangebote und Aktionen anbieten. Das wird auch von sogenannt Kleinen gemacht, wenn auch in bescheidenerem Rahmen.

Selbst der Landanzeiger macht in werbearmer Zeit Inserataktionen. Das Überangebot an Lebensmitteln in der Schweiz führt eben dazu, dass diese günstiger angeboten werden. Davon können wir alle profitieren. Nochmals: Mit Geiz hat das gar nichts zu tun. Ich finde es auch sehr positiv, wenn Geschäfte ihre Ware kurz vor dem Ablaufdatum herunterschreiben. Das ist doch allemal besser als diese wegzuwerfen. 

Preisbewusst kann man übrigens auch dann einkaufen, wenn man direkt unsere Landwirte und Gemüsebauern berücksichtigen. Dann fallen die teuren Infrastrukturkosten weg und man weiss zudem, woher die Ware kommt und unterstützt direkt die Produzenten.

Den Leitsatz «Geiz ist geil» oder «ich bin doch nicht blöd» haben deutsche Unternehmen einst als Slogan für die Lancierung in der Schweiz verwendet. Inzwischen hört man diese nicht mehr, denn es ist wenig schmeichelhaft, wenn Kunden als Geizhälse und Dummköpfe bezeichnet werden. Ich finde es gut, wenn hierzulande alle etwas Gesundes zu essen haben. In Zürich lassen sich abgelaufene Lebensmittel gar an einem speziellen Stützpunkt gratis beziehen. Diese Möglichkeit wird von armen Leuten rege benützt und das ist doch gut so. 

Weniger sinnvoll ist es hingegen, wenn kurz nach der Lancierung der neuen Sommermode einige Geschäfte schon wieder einen Ausverkauf veranstalten. Früher waren die Zeitpunkte der Ausverkäufe genau geregelt. Da ist eine Verwilderung festzustellen und letztlich beisst sich die Katze selbst in den Schwanz, denn das ist ein Teufelskreis. Schliesslich bleibt nichts anderes übrig, als das Geschäft zu schliessen. Beispiele in der Modebranche gibt es dazu genug.