Generation Praktikum?

Von | 18. April 2018 | Gedanken

«Junge müssen sich zunehmend mit befris­teter Stelle beg­nü­gen» titelte diese Woche die Tage­spresse. Beson­ders das kaufmän­nis­che Seg­ment trifft es hart. Zwis­chen 35 und 40 Prozent der befragten KV-Lehrabgänger erhal­ten lediglich einen befris­teten Arbeit­splatz. 

Ein­er der Gründe für diese Entwick­lung wird wohl die Schnel­llebigkeit sein, die auch eine hohe Fluk­tu­a­tion in den Unternehmen zur Folge hat. Man will jun­gen Men­schen eine Chance geben, doch ger­ade KMUs kön­nen auf­grund der kaum vorherse­hbaren Kon­junk­turschwankun­gen für nichts garantieren. Man ist vor­sichtiger gewor­den. Offen­bar auch in Bezug auf junge Arbeit­nehmer. Immer häu­figer bieten KMUs, aber auch grosse, inter­na­tionale Fir­men, lieber Prak­ti­ka als eine Fes­tanstel­lung an. Damit sich­ern sich die Unternehmer auf Kosten des Arbeit­nehmers ab. Die Fest­stel­lung, dass es die heuti­gen Lehrabgänger einiges schwieriger haben als die Gen­er­a­tion davor, ist also dur­chaus ange­bracht.

Heute reicht ein Lehrab­schluss oft­mals nicht mehr aus. Um eine gute Arbeitsstelle im erlern­ten Bere­ich zu erhal­ten, wird möglichst viel Beruf­ser­fahrung voraus­ge­set­zt. Trotz­dem sollte man möglichst jung sein. Und am besten männlich. So kann sich das Unternehmen sich­er sein, dass der neu eingestellte Arbeit­nehmer nicht plöt­zlich auch noch bezahlten Mut­ter­schaft­surlaub ver­langt. 

Dabei ist doch das Ver­trauen auf die Fähigkeit­en der jun­gen Gen­er­a­tion ein Schlüs­sel unseres wirtschaftlichen Erfol­gs. Deswe­gen ist eine Beruf­slehre aber noch lange keine falsche Entschei­dung.

Die Schweiz­er Wirtschaft ist auf junge Men­schen, die ein prak­tis­ches Handw­erk erlernt haben, angewiesen. Auch wenn der ter­tiäre Sek­tor seit Jahren an Gewicht zulegt, ist die Schweiz glob­al gese­hen doch für Exporte von indus­triell hergestell­ten Waren bekan­nt. Ger­ade die Schweiz­er Phar­main­dus­trie hat sich einen Stel­len­wert auf dem glob­alen Markt erar­beit­et, der ohne das prak­tis­che Wis­sen von jun­gen Leuten undenkbar wäre. Im Jahr 2012 exportierte die Schweiz Pharmapro­duk­te im Wert von 79 Mil­liar­den Franken. Auf Platz 2 der meist exportierten Güter find­en sich Uhren (44 Mil­liar­den Franken), dicht gefol­gt von Maschi­nen (33.3 Mil­liar­den Franken).

Wo wäre die Schweiz ohne die jun­gen Chemielab­o­ran­ten, Phar­maas­sis­ten­ten, Uhren­mach­er und Poly­mechaniker? Nicht zu vergessen die vie­len Kau­fleute, die die Admin­is­tra­tion in den ange­sproch­enen Indus­trien zur Auf­gabe haben. Das Ziel der Schweiz­er Unternehmen sollte sein, das fundierte Wis­sen der erfahre­nen, langjähri­gen Mitar­beit­er an die junge Gen­er­a­tion weit­erzugeben und dieser dann auch zu ver­trauen. Beständigkeit war schon immer der Schlüs­sel zum Erfolg.