Mari­an­ne Wehr­li, LL.M Rechts­an­wäl­tin

Hilfe! Ich wurde polizeilich vorgeladen!

Von | 14. März 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGE | Ich wur­de vor eini­ger Zeit nicht ganz unschul­dig in eine Schlä­ge­rei ver­wickelt und die Poli­zei hat offen­bar her­aus­ge­fun­den, dass ich betei­ligt war. Nun habe ich eine Vor­la­dung der Poli­zei erhal­ten und muss als Aus­kunfts­per­son zu einer Ein­ver­nah­me erschei­nen. Ich ver­mu­te jeden­falls, dass es dar­um geht. Wie ver­hal­te ich mich rich­tig und brau­che ich einen Anwalt?

ANTWORTDer Vor­la­dung der Kan­tons­po­li­zei kön­nen Sie nebst Ort und Datum der Ein­ver­nah­me wei­te­re wich­ti­ge Infor­matio­nen ent­neh­men. Einer­seits muss mit einem Stich­wort an-gege­ben sein, zu wel­cher Sache Sie befragt wer­den, also zum Bei­spiel «Schlä­ge­rei vom … in …» oder «Kör­per­ver­let­zung». Eben­so muss in der Vor­la­dung ste­hen, in wel­cher Funk­ti­on Sie befragt wer­den sol­len, sei es als mög­li­cher Täter, Opfer oder Zeu­ge. Steht «Aus­kunfts­per­son», ist sich die Poli­zei noch nicht sicher, wel­che Rol­le Sie inne­hat­ten. Als Aus­kunfts­per­son haben Sie die­sel­ben Rech­te wie ein Beschul­dig­ter. Die­se Rech­te müs­sen Ihnen vor Beginn der Befra­gung in ver­ständ­li­cher Form erklärt wer­den. Dazu gehört ins­be­son­de­re, dass Sie kei­ne Aus­sa­gen machen müs­sen. Gera­de am Anfang einer Straf­un­ter­su­chung ist es meist emp­feh­lens­wert, von die­sem Recht auch Gebrauch zu machen und zuerst abzu­war­ten, wor­in der Vor­wurf der Poli­zei genau besteht. Aus­zu­sa­gen macht nur dann Sinn, wenn man einen Tat­vor­wurf leicht ent­kräf­ten kann (zum Bei­spiel durch ein Ali­bi), oder wenn man bei kla­rer Sach­la­ge ein umfas­sen­des Geständ­nis able­gen will. 

Bei allen Zwi­schen­sta­di­en ver­schlim­mert man die eige­ne Situa­ti­on mit Aus­sa­gen zu einem frü­hen Zeit­punkt oft, selbst wenn man die vor­ge­wor­fe­ne Straf­tat im End­ef­fekt aner­kennt. Gar nicht zu emp­feh­len ist die Stra­te­gie, eini­ge Fra­gen zu beant­wor­ten und ande­re nicht. Sie haben das Recht, sich schon zur ersten Befra­gung von einem Anwalt Ihrer Wahl beglei­ten zu las­sen.

Wenn Sie von Ihrem Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rungs­recht Gebrauch machen, kön­nen Sie sich auch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt bera­ten las­sen. Aus den Fra­gen der Poli­zei konn­ten Sie dann auch schon her­aus­hö­ren wor­um es geht und kön­nen den Anwalt infor­mie­ren.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mari­an­ne Wehr­li, Rechts­an­wäl­tin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aar­au
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch