Hören die Krankenkassen­anrufe nun auf?

Von | 21. März 2019 | Gedanken

Wir ken­nen es alle. Ein Anruf, am anderen Ende eine Stimme, die einem eine neue Krankenkasse andrehen möchte. Da wird meis­tens sehr direkt und gezielt vorge­gan­gen. Was antworten wir auf die Frage «bezahlen Sie nicht auch zu viel für Ihre Krankenkasse»? Ja natür­lich, lautet die Antwort. «Möcht­en Sie etwas dage­gen tun?» Selb­stver­ständlich – unsere Antwort. Und schon hat der Anrufer uns schon fast im Sack, denn es läuft eigentlich immer über den Preis. Abge­se­hen haben es die Mak­ler vor allem auf ältere Leute oder solche, die entwed­er zu bequem sind, Offer­ten einzu­holen oder dann das Gespräch mit den Krankenkassen­vertretern scheuen.

Was viele nicht mit ein­berech­nen: Die Krankenkassen sind mit­tler­weile nicht nur so hoch wegen der Medis oder den Ärzten. Durch die lästi­gen Abwer­bereien entste­hen sehr grosse Kosten, die am Ende auf uns abgewälzt wer­den. Warum aber kommt das Umdenken erst jet­zt? Man hat bis heute immer das Argu­ment der freien Mark­twirtschaft und der freien Wahl in den Vorder­grund gestellt und dabei vergessen, dass viele Zeitgenossen buch­stäblich über­rumpelt wer­den. Es sind vor allem solche, die sich nicht wehren kön­nen. Die Tele­foni­tis hat mit­tler­weilen krasse Züge angenom­men. Die Ver­mit­tler sitzen sog­ar in Call­cen­ter im Aus­land.

Es geht ihnen kaum um das Wohl der Schweiz­er, son­dern um eine Pro­vi­sion. Aus­ge­bildet sind die Leute nicht. Sie ken­nen auch unsere Gesund­heits­ge­set­ze nicht näher. Eigentlich wollte der Bun­desrat das schon im Jahr 2012 regeln. Das Par­la­ment lehnte dies aber mit dem Hin­weis auf die Selb­streg­ulierung der Branche ab. Diese Selb­streg­ulierung hat aber über­haupt nicht funk­tion­iert. Deshalb nun das Umdenken im Nation­al­rat. Die Begren­zung der Pro­vi­sio­nen wird laut Branchenken­nern dazu führen, dass die Ver­sicher­er weniger externe Ver­mit­tler und ver­mehrt eigenes Per­son­al für die Gewin­nung neuer Kun­den anstellen. Wer­bean­rufe sind dem­nach auch in Zukun­ft nicht vom Tisch. Die Krankenkassen tun aber gut daran, die Leute bess­er zu informieren.

Ich habe das per­sön­lich erlebt, als ich vor einem Jahr die Krankenkasse wech­selte. Meine bish­erige Krankenkasse Groupe Mutuel ver­bot mir den Wech­sel der Zusatzver­sicherung. Diese laufe noch ein Jahr, sagte man mir. Offen­bar kann man diese bei eini­gen Ver­sich­ern nicht alle Jahre wech­seln, was ich nicht wusste. Auf das set­zen die Kassen. Nun bin ich aber doch auch mit der Zusatzver­sicherung erlöst von der bish­eri­gen Kasse, mit der ich unzufrieden war.